Landeselternvertretung Thüringen

Ein gemeinsamer Internetauftritt der Elternsprecher der Schulen im Freistaat Thüringen
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Pressespiegel vom 04. Mai 2012

Mario Thiel | 4. Mai 2012 | 10:19 Uhr
Vorlesen mit webReader
Thüringer Allgemeine:

Viele neugierige Fragen: Grundschüler bei der VG-Vorsitzenden

Viertklässler der Friedensschule statten der Gemeinschaftsvorsitzenden Silvia Voigt in Kahla einen Besuch ab.

Kahla. Welche Ausbildung braucht eine Gemeinschaftsvorsitzende? Mit diesen und vielen anderen Fragen haben die Viertklässler der Kahlaer Friedensschule gestern Silvia Voigt , die Chefin der Verwaltungsgemeinschaft “Südliches Saaletal”, gelöchert.

Sie beteiligten sich an der Aktion “Kinder in die Rathäuser”, die im Vorfeld des Kinder- und Aktionstages am 11. Mai von Trägern und Mitarbeitern der Kinder- und Jugendarbeit im Bündnis für Vielfalt im SHK und dem Jugendamt des Kreises initiiert wird. Kathleen Lützkendorf vom Bildungswerk Blitz e.V. hatte die Schüler ins Verwaltungsgebäude in der Bahnhofstraße begleitet. Einen Einsteigerkurs in Sachen kommunale Verwaltung hatte sie zuvor in der Schule gegeben. Die Mädchen und Jungen hatten sich bestens vorbereitet und ihre Wünsche auf Zettel geschrieben. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung an der Schmöllner Ortszufahrt notierte sich Silvia Voigt genauso, wie den Wunsch nach mehr Mülltonnen und mehr Fußwege in Reinstädt. “Mir ist wichtig, dass die Kinder neugierig bleiben”, sagte die Verwaltungschefin, die sich gern Zeit für die Knirpse nahm. Den Kindern wusste sie auch einige gute Nachrichten zu erzählen. So soll in Schöps in diesem Jahr ein neuer Spielplatz gebaut werden. In Rothenstein stehe die Sanierung des Sportplatzes auf dem Programm. In Altendorf ist der Umbau des Kindergartens vorgesehen. In Milda steht die Sanierung der Staatlichen Grundschule auf dem Plan. Noch in diesem Jahr soll dort das Schulgebäude neue Fenster erhalten, kündigt die Gemeinschaftsvorsitzende an. Als derzeit größte Aufgabe im Haus nannte sie den Bau des Bürgerbüros, das am 1. Juni eröffnet wird.

Die “Aktion Kinder in die Rathäuser” geht heute weiter. In Orlamünde stellt sich Bürgermeister Uwe Nitsche den Fragen der Schüler. Ende Mai sind die Mildaer an der Reihe.

Annett Eger / 04.05.12 / OTZ

 

 

 

Neue Schülerlotsen in Lichte

Auch in diesem Jahr haben sich 15 Siebtklässler bereit erklärt, an der Schülerlotsenausbildung teilzunehmen. Nach der theoretischen und praktischen Schülerlotsenausbildung im März und April durch den Leiter der Jugendverkehrsschule, Armand Sauer, bestanden 13 Schüler die abschließende Prüfung.

Lichte. Nach der Auswertung der Prüfungsergebnisse durch den Ausbilder übergab der Chef der Polizeiinspektion Saalfeld, Gunter Turtenwald, die Schülerlotsen-Ausweise. “Richtig stolz sind wir auf diese einzige Schülerlotsengruppe im Landkreis, was gleichermaßen auch eine hohe Wertschätzung für Ort und Schule ist”, hob der Polizeichef hervor.

Die besten Ergebnisse erreichten Maurice Welsch aus Lichte und Laura Lämmerhirt aus Reichmannsdorf, denen eine Delegierung zum diesjährigen Kreisausscheid der Schülerlotsen überreicht wurde.

Der Vorsitzender der Verkehrswacht Saalfeld, Gerhard Karlen, lobte die Schüler, die in diesem Ehrenamt bewusst Verantwortung für andere übernehmen und dankte auch den Eltern, der Schule und den Ausbildern. Für die Schule war es nicht einfach, so die stellvertretende Schulleiterin Jutta Bergmann, wieder so viele Schülerlotsen zu gewinnen.

Edmund Grollmisch / 04.05.12 / OTZ

 

 

 

Elf machen nicht mit: Rudolstädter Schüler suchen sich selbst Firmen

Viele Unternehmen der Region öffnen sich für die Achtklässler der Friedrich-Schiller-Schule Rudolstadt als künftige Auszubildende. In diesem Jahr ging man an der Regelschule beim Girls- and Boys-Day wieder einmal ganz neue Wege.

Rudolstadt. Doris Heinze, an der Friedrich-Schiller-Schule in Rudolstadt unter anderem für die Berufsorientierung zuständig, hatte die Idee, dass sich die Schüler diesmal selbst darum kümmern sollten, welche Firmen und Betriebe sie besuchen wollten. “Dadurch sollte die Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Achtklässler gefördert und auch verhindert werden, dass wir den Schülern wie bisher bei Rundgängen Berufe zeigen, die sie gar nicht interessieren”, begründet Heinze ihr Vorgehen.

Das neue Konzept ging auf, denn auch zahlreiche Eltern unterstützten die Suche ihrer Kinder und brachten sich aktiv ein. Wer trotz vieler Hinweise und Vorschläge auch auf der Internetseite der Schule gar nichts fand, bekam natürlich die Hilfe der Lehrerin für Wirtschaft/Recht/Technik.

Und wer auch die nicht nutzte, der verbrachte den Tag eben an der Schule und hatte Unterricht. Leider waren es immerhin elf Jungen, die das Angebot, an dem deutschlandweit 150 000 Schüler teilnahmen, ausschlugen.

Die meisten, die es annahmen, kamen mit positiven Eindrücken und wichtigen Erkenntnissen zurück. Doris Heinz lobte die Einrichtungen und Betriebe. “Sie waren sehr gut vorbereitet und auf die Altersklasse eingestellt. Überall fanden die Schillerschüler eine herzliche Aufnahme. ”

Wie auch im Rudolstädter Systembau, wo Personalchefin Andrea Hädrich zwei Stunden mit den Schülern verbrachte und sie mit Unterstützung von Andreas Geisenhainer, Sven Fischer und Fertigungsleiter Marko Hudl durch das mittelständische Unternehmen begleitete. Dass sie dabei auf großes Interesse stieß – das zeigte sich an den vielen Fragen der 13- bis 15-Jährigen.

Hartmut Gerlach / 04.05.12 / OTZ

 

 

 

Suhl: Allianz für einen guten Ausbildungsabschluss

“Die Zeiten, in denen man einfach den passenden Azubi finden konnte, sind vorbei”, kommentiert Dieter Hommel, Inhaber der Autohäuser Hommel. “Heute entscheiden Arbeitgeber nach Motivation, Begeisterung und praktischer Veranlagung für den Ausbildungsberuf, wenn es überhaupt einen Bewerber gibt. Theoretische Schwächen nehmen wir auch dafür in Kauf”, so der Chef.

Suhl. Der Weg zum Berufsabschluss ist für solche Azubis nicht immer einfach. “Es waren anfangs Probleme in der Theorie entstanden, die den Ausbildungsabschluss gefährden konnten”. informiert Falk Paduch, Ausbildungsleiter der Hommel Autohäuser. Das Unternehmen hat aber rechtzeitig die Gefahren von Defiziten während der Ausbildung erkannt und gegengelenkt. Derzeit nehmen Richard Krambs und Jessica Steiner, beide zukünftige KFZ Mechatroniker abH in Anspruch.

“Wir nutzen bereits seit Jahren die ausbildungsbegleitenden Hilfen für unsere Azubis”, so Paduch, “diese Leistungen haben nicht nur die Ausbildung vor einem Abbruch gerettet, sondern unseren Nachwuchs spürbar leistungsfähiger gemacht”. Das Autohaus Hommel setzt bereits seit gut 10 Jahren abH ein und hat 15 Auszubildende damit über die Runden in den Beruf gebracht. Je nach Notwendigkeit wird der Nachhilfeunterricht bei TIM 2000 nach der Schule oder Frühschicht durchgeführt. “Vor Prüfungen und besonderen Situationen geben wir den Azubis auch einmal frei”, betont Dieter Hommel.

Die Kosten der Bildung über einen Träger, hier TIM 2000 übernimmt die Agentur für Arbeit. Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit hat man eine Allianz zu Gunsten der Ausbildung geschaffen. Ausbildung ist wichtig. Immerhin beschäftigt Hommel derzeit insgesamt ca 12 Azubis und 55 Mitarbeiter.

Nicht nur die Hilfen machen es. “Wir haben uns schon seit Jahren für Mädchen im KFZ Bereich geöffnet”, betont Dieter Hommel. Insgesamt 3 weibliche Azubis hat das Autohaus im gewerblichen KFZ Bereich schon in Ausbildung. “Eine davon konnte ihre Ausbildung mit Bravour 2011 vorzeitig beenden und strebt nun ein Studium an. Handwerk ist eben auch etwas für Mädchen”, weiß Paduch, “wir bauen die Zukunft der Unternehmen auf den Azubis von heute und morgen auf”.

“Jedes Unternehmen kann ausbildungsbegleitende Hilfen in Anspruch nehmen, wenn die Ausbildung möglicherweise gefährdet ist”, wirbt Wolfgang Gold, Vorsitzender der Geschäftsführung der Suhler Agentur für Arbeit. Wichtig ist, dass sich Arbeitgeber oder Azubi rechtzeitig bei der Agentur melden. Wenn beide bereit sind, für den Ausbildungsabschluss zusätzliche Zeit zu investieren, wird über die Agentur eine individuelle Maßnahme für die Betroffenen geplant und finanziert.

“Ein Ausbildungsabbruch wirft immer zwei Seiten zurück”, weiß Gold, “das ist in den Zeiten eines boomenden Ausbildungsmarktes mit aller Kraft zu vermeiden”.

Übrigens können Unternehmen auch bereits zu Beginn der Ausbildung abH in Anspruch nehmen. Gerade wenn der Ausbildungsstellenbewerber beispielsweise Probleme in Grundlagenfächern hat, aber ausreichende Motivation und praktische Veranlagung mitbringt. Arbeitgeber, die Beratungsbedarf haben, können ihren persönlichen Ansprechpartner vom Arbeitgeberservice (AGS) kontaktieren. Dort erhalten sie auch Auskünfte zu anderen Förderungen. Arbeitgeber-Neukunden wählen die 01801 / 66 44 66 und erhalten nach dem Erstkontakt einen festen Ansprechpartner und eine Durchwahlnummer.

Über die Service-Nummer 01801 555 111 können die Azubis den Kontakt herstellen und einen Termin mit dem jeweiligen Berufsberater vereinbaren lassen. “Je eher man sich beraten lässt, um so besser”, empfiehlt der Agenturchef.

Die Agentur für Arbeit berät und vermittelt täglich jugendliche Ausbildungsstellenbewerber. So wie auch am 7. Mai, dem “Tag des Ausbildungsplatzes”, Hand in Hand mit Unternehmen und den Vertretern der Wirtschaft. Das Ziel diese Tages leben die Akteure täglich.

04.05.12 / TA

 

 

 

Thüringer Schüler fühlen sich häufig unter Druck gesetzt

Bei der Übergabe der ersten Exemplare des TA-Buches über den Erfurter Amoklauf hat es an Schulen bewegende Diskussionen gegeben.

Erfurt. Es gibt Erinnerungen, die dürfen nicht verblassen. Die an das Geschehen am Erfurter Gutenberg-Gymnasium gehört zwingend dazu. Am 26. April 2002 erschoss hier ein Schüler 16 Menschen und richtete sich selbst.

Zum zehnten Jahrestag des Amoklaufs haben sich Redakteure der Thüringer Allgemeine dem tragischen Ereignis erneut genähert. Und sie haben die Geschichten von Schmerz, Trauer und Hoffnung in einem Buch zusammengefasst. “Wir wollen nicht, dass die Tat, die Opfer und das Leid jemals vergessen werden”, begründete Redakteur Hanno Müller das Projekt.

Wie wichtig Erinnerung und Gedenken sind, weiß auch Dieter Bauhaus, der Vorstandschef der Sparkasse Mittelthüringen. Deshalb finanziert das Geldinstitut insgesamt 161 Exemplare des Buches “Der Amoklauf”.

Ausgestattet werden damit Thüringer Schulbibliotheken, die ersten Bücher wurden gestern während einer Gesprächsrunde mit Chefredakteur Paul-Josef Raue und Jugendlichen in der Erfurter Bibliothek am Domplatz übergeben.

Auch nach zehn Jahren ist der Amoklauf kaum zu begreifen. “Der Täter hätte wahrscheinlich Hilfe gebraucht”, zeigte sich Bauhaus überzeugt. Doch das habe man nicht wahrgenommen.

Die Jugendlichen aus Erfurt und Sömmerda fragten sich ebenfalls immer wieder, was einen jungen Menschen zu einer solchen Wahnsinnstat treibt. “Heute weiß man, dass der Schüler nach einem Schulverweis mit seinen Problemen alleingelassen wurde”, sagte Clemens von der Kooperativen Gesamtschule am Schwemmbach. Positiv sei, dass Konsequenzen gezogen wurden. So muss heute kein Thüringer Schüler mehr nach der 10. Klasse das Gymnasium ohne Abschluss verlassen, schloss Mitschüler Daniel an.

Und auch Lucas vom Erfurter Königin Luise Gymnasium mutmaßte, dass das fehlende Abitur den Schüler “aus der Bahn geworfen hat”.

Es ging um Schuld, Verantwortung, Perspektiven. Psychologische Betreuungsangebote gibt es mittlerweile nicht nur in Erfurt. Thüringenweit wurden verstärkt Schulpsychologen eingesetzt: Sie sollen Schüler, aber auch Lehrer in Konfliktsituationen unterstützen.

Ein gutes Schulsystem kostet Geld

Doch ist das genug? Braucht es strengere Waffengesetze, mehr Sozialarbeiter und ein Verbot von Gewalt verherrlichenden Computerspielen?

“Vor allem muss das Elternhaus Verständnis für die Probleme der Heranwachsenden haben”, zeigte sich Karin aus Sömmerda überzeugt. Und Lehrerin Elke Zepter vom dortigen Albert Schweitzer Gymnasium mahnte eindringlich: “Die Gesellschaft muss bereit sein, für gute Schulen Geld zu zahlen.”

Sowohl die Pädagogin als auch die anwesenden Schüler verwiesen in diesem Zusammenhang auf überfüllte Klassenräume, fehlendes Lehrpersonal sowie den Lerndruck, der auf Schülern lastet. Die Anwesenden sprachen sich unisono für ein einheitliches Schulsystem aus, mit Prüfungen, die bundesweit anerkannt werden. Außerdem müssten die außerschulischen Aktivitäten deutlich verstärkt werden.

Auch die TA-Redakteure Birgit Kummer und Hanno Müller standen Rede und Antwort – und sie zollten allen Respekt, die für das Buch über ihre Erlebnisse gesprochen hatten.

Kann man nach einem solchen Schicksalsschlag jemals wieder zum Alltag übergehen?

“Das Gutenberg-Gymnasium wird immer ein besonderer Ort sein”, zeigte sich Birgit Kummer überzeugt. Aber auch dort gibt es wieder einen ganz normalen Schulalltag.

Ein Effekt des Buches wurde am Donnerstag offensichtlich: Menschen kommen miteinander ins Gespräch – und sie werden zukünftig jene aufmerksamer beobachten, die am Leistungsdruck in Schule und Gesellschaft zu scheitern drohen.

Unsere Reporter / 04.05.12 / TA

 

 

 

mega-ROCK geht auf Schultour – bewirb dich jetzt

Vom 02. Juli bis 13. Juli besucht Doppel U und das mega-ROCK-Team insgesamt zehn Thüringer Schulen, um den Schülern einen kleinen Vorgeschmack auf das Festival zu geben. Welche Schulen das sind? Das liegt an euch!

Um die lange Wartezeit bis zu mega-ROCK etwas zu versüßen, starten TA, OTZ und TLZ erstmalig die mega-Schultour. Mit Doppel U werden wir euch die letzten Wochen bis zu den Ferien mit angesagtem Rap versüßen.

In einem einstündigen Programm bekommt ihr Goethe und Schiller auf moderne Weise präsentiert. Natürlich hat das mega-ROCK-Team noch einige Überraschungen im Gepäck. Also begeistert euren Direx oder die Deutschlehrerin für die mega-Schultour und bewirb dich bis 31. Mai 2012 für deine Schule.

Alle Bewerbungen haben die gleichen Chancen. Am Ende entscheidet die mega-ROCK-Glücksfee per Los, wer sich im Freistaat über den Besuch von Doppel U und dem mega-ROCK-Team freuen darf.

Wichtig: Die Bewerbung sollte vorher von euren Lehrern bzw. Direktor abgesegnet sein. Wär doch schade, wenn ihr gezogen würdet und dann die Zustimmung fehlt, oder?

Also jetzt nichts wie ran! Formular ausfüllen und dann Daumen drücken!

Mengs / 03.05.12 / ZGT

 

 

 

Azubis besuchen Pflegebedürftige in Rudolstädter Seniorenheim

Dass Sport im Alter fit hält und das Leben verlängern kann, ist nichts Neues. Dass aber auch pflegebedürftige Menschen, Menschen, die das 80. Lebensjahr längst überschritten haben, noch sportlich aktiv sein und dabei Freude haben können, ist kaum bekannt.

Rudolstadt. Junge Menschen, die in der Staatlichen berufsbildenden Schule Rudolstadt gerade ihre Ausbildung zum Sport- und Fitness-Kaufmann absolvieren, haben diese Erfahrung jetzt gemacht. Ihre Ausbildungsaufgabe war es, ein Sportfest im AWO-Seniorenheim Rudolstadt mit pflegebedürftigen Menschen zu planen, zu organisieren und durchzuführen.

Die Auszubildende Katja Thierbach meinte, sie sei überrascht gewesen, dass auch pflegebedürftige Menschen sich sportlich noch entwickeln können. Das Schönste, was ältere Menschen ihr geben konnten, sei ein Lächeln gewesen. Für die im Seniorenheim lebenden Menschen waren es unzweifelhaft Stunden der Lebensfreude und Zufriedenheit, wo sie ihre Alltagssorgen und Beschwerden vergessen konnten. Und für die AWO Rudolstadt ist es ein gelungenes Kooperationsprojekt zwischen einer Ausbildungsschule bzw. ihren jungen Menschen sowie einem interessanten Praxisfeld der sozialen Arbeit.

03.05.12 / OTZ

 

 

 

15 Austauschschüler verabschieden sich in Leutenberg

“Die Deutschen sind ein bisschen verrückt”, bewertet die junge Mexikanerin Lillian Argaez lächelnd das deutsche Volk. Sie gehört zu den Austauschschülern, die sich ihm Rahmen des “Re-Entry-Seminars” von Deutschland verabschiedeten.

Leutenberg. Gleichzeitig soll dieses Zusammentreffen, das in diesem Jahr bei der Naturparkverwaltung in Leutenberg stattfand, die Rückkehr in das jeweilige Heimatland erleichtern.

Einige waren sechs Monate in Deutschland, andere lernten in neun Monaten Deutschland kennen. “Sie kommen aus allen Teilen der Welt”, erklärte Tanja Sockel, eine 19-jährige Schülerin, die ehrenamtlich das Seminar der zuständigen Organisation “YFU” (Youth for understanding) begleitet. Die Teilnehmer, die unter anderem aus Nord- und Osteuropa, den USA und Asien stammen, sind zwischen 15 und 18 Jahren alt, wie die Helfer erzählen. “Die Austauschschüler haben hier den Alltag vieler Deutscher kennen gelernt, sind zur Schule gegangen und nun wollen wir sie darauf vorbereiten, sich von ihren Gastfamilien zu verabschieden”, erklärte Sophie Kappacher (18), ebenfalls eine ehrenamtliche Helferin. Wie sie sich verabschieden, arbeiten die insgesamt 15 Austauschschüler selbst aus. Für die Gastfamilien, die zum Teil auch anwesend waren, stellten sie ein Programm mit Sketchen und Tänzen zusammen. Entsprechend exotisch wurde es mit dem Kultsong “Macarena”, der lautstark gesungen wurde.

“Mein erster Eindruck war, dass es hier viel Freiheit gibt. Meine Mutter hatte Angst vor Rassismus, aber davon habe ich hier nichts gemerkt”, resümierte die Mexikanerin Lillian. Die Sprache sei für sie anfangs das schwierigste gewesen, schließlich konnte sie kein deutsches Wort. Zwar etwas zurückhaltend unterhielten sich die Austauschschüler auf deutsch, aber ihre Kenntnisse reichten, um eine Gemeinschaft zu sein. OTZ

Dominique Lattich / 03.05.12 / OTZ

 

 

 

Freie Schule Elstertal Greiz plant Erweiterung zur Gemeinschaftsschule

Die Freie Schule Elstertal plant zum nächsten Schuljahr ihre Erweiterung zur Gemeinschaftsschule. In der bisherigen Ganztagsgrundschule in Elternträgerschaft könnten dann Schüler vom ersten Schuljahr bis zum Abitur gemeinsam und ohne Schulwechsel lernen. “Wir sind zuversichtlich, dass unser Antrag vom Thüringer Kultusministerium genehmigt wird, die Signale sind positiv”, sagt Jörg Heinig, Leitungsmitglied der vom Elternträgerverein “Mandala” geführten Schule. Das Thema Gemeinschaftsschule ist auch ein wesentlicher Programmpunkt zum Infotag in der Schule in der Greizer Goethestraße am Sonnabend von 14 bis 17 Uhr.

Greiz. Die Hintergründe: Anfang des Jahres sei der Verein “Kannustus Nachdenken über gute Schule”, in dem sich reformpädagogisch orientierte Lehrer aus der Region zusammengeschlossen haben, auf die Greizer zugekommen, um die Möglichkeit der Gründung einer Gemeinschaftsschule auszuloten. “Gemeinsam mit Schulleitung, Eltern und Lehrern haben wir Für und Wider diskutiert und uns recht schnell für das Projekt Gemeinschaftsschule entschlossen”, sagt Heinig und fügt an, dass “Kannustus” aus dem Finnischen stammt und so viel wie “Ermutigung” bedeutet. Die Entscheidung sei zum einen gefallen, weil die Beziehungen zu den Lehrern seit langem bestehen und die Greizer die pädagogischen Kompetenzen der Gruppe sehr schätzen würden. Zum anderen, weil in der Region bislang keine Gemeinschaftsschule existiere und “aus unserer Sicht eine Entscheidung über den weiteren Bildungsweg nach der 4. Klasse viel zu früh ist”, so Heinig. Sicher die Zeitschiene sei knapp bemessen, aber: “Wir wollens”. Das bedeutet gleichzeitig, sollte die Gemeinschaftsschule doch noch nicht zum kommenden Schuljahr starten können, ist sie nicht vom Tisch, sondern nimmt zum Schuljahr 2013/14 den Betrieb auf.

Der Vorteil in Thüringen: Die Elstertalschule, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert, besitzt bereits die staatliche Anerkennung als Grundschule. Eine Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule ist im Freistaat somit möglich. Die Zuschüsse, die pro Schüler 80 Prozent von dem betragen, was staatliche Schulen je Schüler erhalten, werden ohne Zeitverzug auch für Schüler höherer Klassenstufen gezahlt. Sollte es für das Projekt grünes Licht aus Erfurt geben, würde sich die Schülerzahl von derzeit 50 Kindern zum kommenden Schuljahr um 30 bis 40 erhöhen. “Wir werden in einer überschaubaren Größe beginnen, um den erweiterten Schulbetrieb nach und nach aufzubauen”, erklärt Heinig. Er verweist Interessierte auf die Internetseite www.freie-schule-elstertal.de, auf der sie sich über das Konzept informieren können, sowie auf die Inforunde am 5. Mai um 17.30 Uhr. Dann geht es auch um die geplante Ganztagsbetreuung

Karsten Schaarschmidt / 03.05.12 / OTZ

 

 

 

Leserbriefe zum Amoklauf in Erfurt

“Thüringer-Allgemeine”-Leserin Gerda Simmer aus Tabarz rät, bei der Frage “Warum?” Gott aus dem Spiel zu lassen.

Dieter Thäsler aus Erfurt fragt nach ethischen Werten

Allerorten wird noch immer nach dem “Warum?” der schrecklichen Ereignisse am Erfurter Gutenberg-Gymnasium gefragt. Die Fragestellung erübrigt sich, da der, der sie beantworten könnte, sich richtete. Das “Warum?” verlangt immer nach einem Motiv. Seinen Beweggrund könnte der Täter aber nur selbst schildern. Wer stellvertretend damit hantiert, bleibt im Raum der Annahmen, der Vermutungen, der Ahnungen, der Mutmaßungen stecken. Wer es dennoch tut, kommt notwendigerweise auf den riskanten Pfad der Schuldzuweisung auf andere. In der Pädagogik nennt man so etwas eine externale Attributation. Unterstellt man, dass sich ein solcher Angriff an jedem Tag zu jeder Zeit an jeder Schule dieser Republik ereignen könnte (Emsdetten und Winnenden sind nach Erfurt geschehen), kommt man schnell zu einer anderen Fragestellung. Nämlich: Wie ist es möglich, dass dieser Hypothese niemand ernsthaft widersprechen kann. Soll heißen, im gesamten Land herrschen die gleichen Voraussetzungen für derartige Abläufe. Man muss also nach den Möglichkeiten fragen, die ein solches Handeln begünstigen. Diese Gelegenheiten hat sich weder Robert Steinhäuser geschaffen, noch sind sie im Gutenberg-Gymnasium entstanden. Die Voraussetzungen sind systemimmanent. Soll heißen, es gibt ein ganzes Bedingungsgefüge, auf dem so etwas wachsen und ausarten kann. Ein paar seien genannt: Verherrlichung oder Verharmlosung von Gewalt in gewissen Medien und im globalen Netzwerk, zunehmende Verwahrlosung im Umgang mit moralischen und ethischen Werten, Entfremdungserscheinungen innerhalb der Familien, Beschwichtigung von Straftaten durch milde oder keine Urteile von Richtern (Straftaten scheinen sich zu lohnen), es fehlt die gesellschaftliche Ächtung bei Verstößen gegen Recht und Ordnung (Weggucken ist die erste Bürgerpflicht), das gültige Waffengesetz, das Minimieren der Schule und der Schüler durch die Politik auf eine ökonomische Kennziffer (die Politik macht sich Gedanken, wie man Schulen schließen, Lehrer entlassen dafür aber Gefängnisse modernisieren oder neu bauen kann), die Ausgrenzung bestimmter Schichten der Bevölkerung vom allgemeinem Wohlstand (ein Großteil der Kinder zwischen 7 und 12 wächst unter Sozialhilfebedingungen auf). In der Zwischenzeit sind auch Begrifflichkeiten in den Sprachgebrauch eingeführt, die ohne Scham, Teile der Gesellschaft bereits im Kindesalter stigmatisieren. Kinder aus bildungsfernen Schichten (was immer das auch heißen mag), Harzer, Aufstocker, Leistungserschleicher, Problemelternhäuser (in welchem Elternhaus gibt es keine Problem?), Langzeitarbeitsloser, Kurzarbeiter, Altersarmut, Dreiklassengesellschaft, Besserverdienende etc. sind nur einige solcher Wortungetüme, die dazu beitragen, den Menschen von klein auf zu suggerieren, mit welcher Schicht man sich im Leben zu arrangieren hat. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel. Da wäre noch die Schule. Natürlich gehört auch sie zu dem Bedingungsgefüge. Eine Gewerkschaftsfunktionärin hatte damals wenige Stunden nach dem Blutbad in Erfurt die Begründung für die Tat parat, als sie feststellte, in den Gymnasien sind Schüler einem zu hohen Druck ausgesetzt. In den Folgetagen wiederholte sich diese Aussage bei wichtigen und weniger wichtigen Befragten und Ungefragten. Diese Ansicht ist oberflächlich. Sie zeugt auch von wenig Sachverstand. Nicht nur, dass man nicht sagte, welcher Druck gemeint ist, man sagt auch nicht, wer ihn ausübt. Man geht offensichtlich davon aus, dass der geneigte Hörer, Seher oder Leser schon verstehen würde, für wen diese Feststellung zutreffend ist. Man kommt sehr schnell auf den Lehrer. Denkt man den Gedanken zu Ende, kann man auch die Pädagogen für das Massaker verantwortlich machen. Würden sie keinen Druck ausüben, wäre ein solches und anderes Delikt nicht möglich So einfach ist das. Man hat einen Schuldigen, und selbst ist man raus aus der Verantwortung. Wer also übt tatsächlich Druck aus? Ist es nicht die leistungsorientierte Gesellschaft, die diesen Druck provoziert? Es hält sich hartnäckig die Meinung, dass nur der eine Chance hat, der das Abitur ablegt. Also drängt alles dorthin. Die Zugangsbedingungen sind kaum Hindernisse dafür. Abgesehen davon, dass bereits in der fünften Klasse eine Selektierung stattfindet, durch die sozial Benachteiligte oft unter sich bleiben, landen andere Kinder in einer Schulform, in die sie eigentlich vom Leistungsvermögen gar nicht hingehören, Über- und Unterforderung an den Gymnasien sind vorhersehbar. Überlastung impliziert Leistungsruck, der oft von Eltern ausgeübt wird. Oft häufen sich Negativerlebnisse die zu einer gewissen Ausweglosigkeit führen können und Kurzschlusshandlungen produzieren. Daran ist aber nicht der Lehrer schuld. Demgegenüber produziert Unterforderung Durchschnitt bei Schülerbegabungen, den unser Land nun wahrlich nicht benötigt. Der Vergleich macht stutzig. Als Erfurt allein noch 220 000 Einwohner (Stand 1988 ohne die spätere Eingemeindung der umliegenden Dörfer) hatte, gab es ganze drei Schulen, an denen die Allgemeine Hochschulreife abgelegt werden konnte. Heute sind davon mehr als das doppelte etabliert. Die Konsequenz: Je weniger Einwohner, desto mehr Intelligenz!? Die Gesellschaft, zumal eine solch reiche wie unsere, sollte jedem Schüler seine Möglichkeit in diesem Gemeinwesen einräumen. Der Abgänger der Hauptschule benötigt eine geeignete Perspektive genauso wie der Realschüler und der Abiturient. Der Absolvent einer Universität oder Hochschule muss wissen, dass seine Kompetenz nach dem Studium uneingeschränkt gebraucht wird. Oft wird deshalb zu lange studiert, weil man nach der Qualifizierung nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen werden möchte. Da wäre die Lehrerausbildung: Als ich meine Ausbildung zum Lehrer 1959 begann hatten wir auch das Fach Kinderpsychologie und ab dem ersten Semester Kontakt zu unseren späteren Schülern. Wir wussten vom ersten Tag an, was auf uns zukommt. Der heutige Absolvent für ein Lehramt hat häufig den ersten Kontakt mit seinen Zöglingen, wenn er als Referendar an die Schule geht. Oft stellt er dann fest, dass der Lehrerberuf doch nicht das Richtige für ihn ist. Will sagen: in der Lehrerausbildung muss sich prinzipiell etwas ändern, dann könnten wir uns Heerscharen von Schulpsychologen und Sozialarbeiter an den Schulen sparen. Sie können die zunehmenden Probleme an den Schulen allein nicht lösen. Oft aus Zeitmangel und auch fehlender Ausbildung nicht. Eine gut ausgebildete Lehrerschaft versteht es im Vorfeld, viele Ungereimtheiten des Schulalltags auszuräumen. Mir wurden einmal zwei bedauernswerte Kollegen mit der Berufsbezeichnung Sozialpädagoge an die Seite gestellt. Der eine war ein ehemaliger DDR-Fußballoberligaspieler und die andere eine Absolventin für Mathematik und Physik, die keine Anstellung als Lehrerin bekam. Selbige sollten mir helfen, der ich schon fast dreißig Jahre als Lehrer im Dienst war, die Probleme in den BVJ-Klassen zu lösen. Bei allem Bemühen, sie verwirrten eher, als sie helfen konnten. Dankenswerterweise übertrug ihnen der Schulleiter andere Aufgaben, die sie mit Hingabe auch erfüllen konnten. Da ist die Schule Institution für die Bildung des Volkes: Häufig geht auch mit dem politischen Wechsel im Kultus auch ein parteibuchorientierter Personenwechsel einher, der wiederum zur Folge hat, dass die Schule als ein Feldversuch benutzt wird, um ständige Neuerungen durchzusetzen. Man möchte schließlich immer etwas besser machen als der politische Gegner. Es kehrt kaum Ruhe ein. Da zum Beispiel in Deutschland mehr als 1000 gültige Lehrpläne im Umlauf sind, nach denen unterricht wird, ist von einem einigermaßen Bildungsgleichstand und Voraussetzung für eine weiterführende Einrichtung nicht möglich. Eltern können mitunter der Arbeit in ein anderes Bundesland nicht folgen, da sie fürchten, dass Abitur ihrer Kinder wird dort nicht anerkannt oder ihre anderen schulpflichtigen Kinder könnten in einer anderen Schule einen Leistungsknick erfahren, da dort nach anderen Lehrplänen und Lehrbüchern unterricht wird. Die Bedingungen, nach denen in ganz Deutschland unterrichtet werden soll, müssen vereinheitlicht werden, ohne dabei der Einheitsschule das Wort zu reden. Wir brauchen keine Kleinstaaterei in der Bildung!

Schlussbemerkung: Übrigens wann und wo soll ein Abiturient lernen, Leistungsdruck auszuhalten, ja zu produzieren, wenn nicht am Gymnasium? Vergessen wir nicht, die Absolventen der Gymnasien sollen dereinst die Elite der Nation werden. Sie sollen Führungsaufgaben im Land übernehmen. Ein notwendiger Druck ist der Antrieb jeden Erfolges. Druck ist folglich positiv zu definieren. Wir müssen das Bedingungsgefüge in dieser Republik ändern, damit die Saat nicht aufgehen kann, aus der das spross, was Erfurt, Emsdetten und Winnenden widerfuhr. Wenn Roman Herzog dereinst das mit seiner großflächigen Werbung meint, dann sollten wir alle seinen Hilferuf als Chance betrachten: Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen. Worauf warten wir? Das Gemeinwesen muss wieder mehr über Werte statt über Waren definiert werden, dann kann sich jeder in dieser Gesellschaft richtig orientieren. Zumindest sind die Vorraussetzungen dafür bessere.

P.S.: Diese Bemerkungen schrieb ich ähnlicher Form bereits kurz nach dem Amoklauf in Erfurt an die TA. Leider ohne Reaktion. Ich schreibe meine Auffassung nicht, damit sie nun reagieren. Ich reagiere nur deshalb, da in der heutigen Ausgabe wieder die Frage nach dem “Warum” gestellt wurde und der Leser aufgefordert wurde, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Erhard Schmidt erinnert beim Gedenken an die Opfer von Erfurt an den Mut des Lehrers Rainer Heise

In der Ausgabe vom 27. April gaben viele kluge Menschen Antworten auf Fragen zu den furchtbaren Ereignissen am Gutenberg-Gymnasium im Jahre 2002. Alle wurden eingeleitet mit dem Fragewort Warum. Auch für mich gibt es ein solches Warum oder besser: “Aus welchem Grunde. . .”.

Aus welchem Grunde so frage ich mich geschieht dem eigentlichen Helden dieses unseligen Tages so wenig Würdigung im Freistaate Thüringen, in der Stadt Erfurt, am Gymnasium selbst? Ist sich denn niemand bewusst, dass ohne sein beherztes Einschreiten das Ausmaß des Schreckens noch viel, viel größer geworden wäre. Überlebende, ihr verdankt dem Manne vielleicht euer Überleben. Sicher hätte der Irregeleitete, der Irre oder eben einfach der Mörder nicht euch alle töten können, aber er hätte jeden von euch erschießen können, der ihm über den Weg gelaufen wäre. Er hätte euch nachlaufen können in angeblich sichere Verstecke, in die benachbarte Bäckerei oder zu Plätzen, an welchen ihr ängstlich zusammenstandet, wenn nicht jener Mann gewesen wäre, der beispielhaft handelte und den Amokläufer handstreichartig wegsperrte.

Ein Großer der Weltpolitik hat den Mut dieses Mannes erkannt und ihn geehrt, nämlich Michail Gorbatschow. Seien wir Thüringer, wir Erfurter, doch nicht kleiner. Ich jedenfalls sage: Danke, Lehrer Rainer Heise!

TA-Leser / 03.05.12 / TA

 

 

Mehrheit der Deutschen ist gegen Betreuungsgeld

Bei den Bürgern stößt das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld weiter auf breite Ablehnung. Nach dem neuen ARD-Deutschlandtrend lehnen mehr als zwei Drittel der Befragten die auch in der Koalition umstrittene Familienleistung ab.

Bei den Bürgern stößt das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld weiter auf breite Ablehnung. Nach dem neuen ARD-Deutschlandtrend /pl/pehnen mehr als zwei Drittel der Befragten (69 Prozent) die auch in der Koalition umstrittene Familienleistung ab. 80 Prozent unterstützen aber Pläne für eine bessere Anerkennung von Erziehungszeiten in der Rentenversicherung auch für Mütter von vor 1992 geborenen Kindern.

Das Betreuungsgeld soll ab Sommer kommenden Jahres an Eltern gezahlt werden, die für ihre Kinder zwischen ein und drei Jahren keinen Platz in einer Krippe oder Kindertagesstätte in Anspruch nehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigte noch am Mittwoch die geplante Leistung als Ausdruck von “Wahlfreiheit” für Eltern. Gefordert wird das Betreuungsgeld vor allem von der CSU, in der FDP und der CDU gibt es aber Widerstand. Für die Erhebung befragte Infratest dimap 1004 Wahlberechtigte ab 18 Jahren.

Julian Stratenschulte / 04.05.12 / AFP

 

 

Konferenz zur Unterstützung Alleinerziehender in Eisenach

Die Mutter von vier Kindern ist immer mal wieder arbeitslos wie zurzeit. Sie kann gut organisieren: Kindergarten, Schule, Freizeitbeschäftigung, Haushalt. “Wenn man aber nur noch den Autotank füttern muss, ist zu überlegen, in die Stadt zu ziehen”, berichtete die Treffurterin.

Eisenach. Sie gehörte gestern zu den Teilnehmern einer Konferenz zur Unterstützung alleinerziehender Mütter und Väter. Die Ziola GmbH hatte ins Vollack Feng Shui Tagungszentrum eingeladen. Sie hat mit den Jobcentern Eisenach und Wartburgkreis “Nizza” ins Leben gerufen. Die Abkürzung steht für Netzwerk Integration und Zukunfts-Zentrum für Alleinerziehende. Es handelt sich um eines von bundesweit 102 Projekten, gefördert aus dem Europäischen Sozialfonds.

In Zeiten des Fachkräftemangels rücken Alleinerziehende verstärkt ins Blickfeld. Zudem sind Kommunen und Kreis interessiert, dass die Betreffenden eine Arbeit finden, von der sie ihre Familie ernähren können und nicht ergänzend Sozialleistungen beziehen müssen.

In Arbeitsgruppen, deren Themen sie selbst gewählt haben, sammelten Alleinerziehende und Arbeitgeber ebenso Ideen, wie Vertreter von Kammern und Verbänden, Gleichstellungsbeauftragte oder Mitarbeiter aus Jugend- und Sozialämtern, vom Büro Startklar für Existenzgründerinnen, aus dem Frauenzentrum oder aus Kindertagesstätten.

Ein Knackpunkt ist die Kinderbetreuung zu ungewöhnlichen Arbeitszeiten wie am Wochenende. “Es gibt Überlegungen, dass eine zentral gelegene Kindertagesstätte länger öffnet”, so Eisenachs Bürgermeisterin Ute Lieske (pl). Am St.-Georg-Klinikum werde zudem erwogen, einen Betriebskindergarten einzurichten, der sich nach den Bedürfnissen der Schichtarbeiter richtet.

Auch eine Betreuung rund um die Uhr ist laut Bernd Scheumann, Leiter des Jugendamtes des Kreises, nichts mehr, was vom Tisch gewischt wird. “Ich bin sehr auf die Protokolle der Konferenz gespannt”, sagte er. Und Sabine Zenkert, Leiterin des Jobcenters Wartburgkreis, meinte: “Wir werden wohl mehr Aufgaben mitnehmen als vermutet.”

So wurde der Wunsch nach Qualifikationen geäußert, die geeignet sind, Mütter und Väter wieder fit für den ersten Arbeitsmarkt zu machen, wenn sie wegen der Betreuung der Kinder längere Zeit Zuhause waren. Die lange Bearbeitungszeit von Anträgen für das Bildungs- und Teilhabepaket und die unterschiedliche Handhabung in Stadt und Landkreis sind kritisch angesprochen worden. Andere Teilnehmer wünschten sich regelmäßigen Austausch untereinander. Denn vieles kann durch private Netzwerke gelöst werden. “Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil die anderen meine Kinder mit zur Schule oder zum Training nehmen, ich aber nie Zeit finde, etwas zurückzugeben”, schilderte eine Mutter. Auch das gehört zu den Aufgaben der Nizza-Mitarbeiterinnen: Mut machen, sein Leben in die Hand zu nehmen.

Demnächst soll ein Ratgeber herausgegeben werden, der alle Angebote und Ansprechpartner in der Region vorstellt. “Wir werden auch kommunizieren, wo Handlungsbedarf besteht”, kündigte Maria-Anna Ziola an.

Ansprechpartner:

Sprechstunde im Jobcenter Eisenach ist dienstags, 9 bis 15 Uhr .

Das Beratungsangebot gilt nicht nur für arbeitslose Mütter und Väter, sondern für alle Alleinerziehenden und Arbeitgeber.

1310 Alleinerziehende in der Region beziehen Leistungen zur Grundsicherung, davon 570 in Eisenach und 740 im Wartburgkreis.

Birgit Schellbach / 04.05.12 / TA

 

 

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