Landeselternvertretung Thüringen

Ein gemeinsamer Internetauftritt der Elternsprecher der Schulen im Freistaat Thüringen
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« Pressespiegel vom 03. November 2009 Das Team ist aufgestellt, tragen wir gemeinsam zum guten Ergebnis bei »

Pressespiegel vom 04. November 2009

Martin Oeltermann | 4. November 2009 | 10:08 Uhr
Vorlesen mit webReader

Guten Morgen liebe LeserInnen,

nach drei Wahlgängen ist es endlich amtlich: Thüringen wird wieder regiert! Seit gestern steht dann auch fest, wer Frau Lieberknecht bei der Regierungsarbeit unterstützt. An dieser Stelle ein Glückwunsch vom PS und mit Spannung erwarten wir die ersten Aktivitäten, speziell im für uns alle wichtigen Bildungsbereich – denn Bildung soll ja die Zukunft sein.
Auch sonst ist wieder viel los in der Welt. Frau Merkel spricht vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses, die Schweinepanik grassiert weiter, der für viele Sozialeinrichtungen wichtige Zivildienst steht auf der Kippe und die Wikipedianer streiten sich darum wer, wann, was eintragen oder löschen darf.
Doch am Freitag hält die ganze Welt wieder einmal für zwei Tage den Atem an: Das Jahreshighlight aller Thüringer Elternvertreter wird beginnen! Wir alle sind schon sehr gespannt und natürlich auch ein bißchen nervös. Die Vorbereitungen sind gemeistert, die Aufgaben verteilt und das PS-Team wird mit mobiler Pressekampfeinheit vor Ort viele Fragen stellen, Stimmungen einfangen, Eindrücke sammeln und Interviews führen.
Lasst bis dahin die Köpfe ob des trüben Wetters nicht hängen und carpe diem!

Ihr/Euer Martin Oeltermann

Schulweg: Licht ins Dunkel bringen

Quelle: FW vom 2.11.2009

In den Herbst- und Wintermonaten machen sich Millionen Schulkinder morgens im Dunkeln auf den Schulweg – und sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt: Etwa drei Viertel aller Schulwegunfälle ereignen sich an Herbst- und Wintertagen, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Eltern sollten ihre Kinder daher auf diese Zeit gezielt vorbereiten.

Oberste Devise: Licht ins Dunkel bringen. Je auffälliger ein Kind gekleidet ist, desto besser. Neben hellen Farben eignen sich Bekleidung oder Schulranzen mit bereits eingearbeiteten Reflektoren besonders gut. Sie fallen tagsüber nicht auf, sind für Autofahrer in der Dunkelheit aber schon in einer Distanz von über hundert Metern sichtbar. Alternativ lassen sich Reflexstreifen an Ärmeln oder Hosenbeinen anbringen. Für einen sicheren Winterschulweg kann außerdem eine spezielle Route eingeübt werden, bei der Straßenüberquerungen mit Ampel oder Zebrastreifen durchgängig möglich und die Wege gut ausgeleuchtet sind. Aber auch die Autofahrer können ihren Teil beitragen: „Häufig sind es sogar die Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren und zu einer gefährlichen Verkehrssituation im direkten Schulumfeld beitragen – sei es durch Parken in der zweiten Reihe oder sogar im direkten Halteverbot. Daraus entsteht eine unübersichtliche Situation, die gerade in den dunklen Wintermonaten vermieden werden sollte“, sagt Norbert Wulff, Vorstand der Kfz-Direktversicherung DA Direkt.
Das können Eltern außerdem tun:
• Kinder auf die besonderen Gefahren im Dunkeln hinweisen – so kann die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr geschärft und Fehlverhalten verhindert werden.
• Reflektierendes Zubehör sollte mit der EN-Nummer 13356 versehen sein. Sie steht für einen besonders hohen Rückstrahlwert.
• Schulwegpläne mit sicherheitsoptimierten Routen sind häufig bei Städten, Kommunen oder Schulen erhältlich.
• In vielen Städten gibt es so genannte Lauf-Busse: An bestimmten Haltepunkten sammeln sich Schulkinder und laufen unter Aufsicht von Eltern zur Schule.
• Auch ein Verkehrssicherheitstraining für Kinder kann hilfreich sein. Eine Übersicht über angebotene Programme findet sich unter www.verkehrssicherheitsprogramme.de
• Kinder sollten früh genug geweckt werden, damit sie sich mit ausreichendem Zeitpuffer und ohne Hektik auf den Schulweg machen können.
Informationen zu Kindersicherheit im Auto finden sich unter dem folgenden weiterführenden Link: www.da-direkt.de/kinderimauto

Teilnahme an „Jugend forscht“ noch bis 30. November möglich

Jungforscher mit innovativen Ideen und kreativen Lösungsansätzen gesucht
Quelle: PM des TKM

Das Thüringer Kultusministerium ruft erneut alle Schülerinnen und Schüler ab der vierten Klasse und bis zum Alter von 21 Jahren zur Teilnahme am Wettbewerb „Jugend forscht“ auf. Unter dem Motto „Entdecke neue Welten“ sind Nachwuchswissenschaftler zum Forschen, Erfinden und Experimentieren aufgefordert. Anmeldeschluss ist der 30. November 2009. Die Auftaktveranstaltung für Mittelthüringen findet am 4. November 2009 im KinderMedienZentrum Erfurt statt.

Auch in der 45. Runde des Wettstreits werden keine Themen vorgegeben. Die Teilnehmer wählen das Thema ihres Projekts selbst aus. Es muss sich jedoch einem der Fachgebiete des Wettbewerbs zuordnen lassen: Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik oder Technik. Bei fächerübergreifenden Projekten ist der Forschungsschwerpunkt entscheidend. Dabei müssen naturwissenschaftliche, mathematische oder technische Methoden angewendet werden. Rein sozialwissenschaftliche Arbeiten sind nicht zugelassen.

Unterstützt wird der Wettbewerb u. a. von der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT), die seit 2005 Patenunternehmen für den Regionalwettbewerb Mittelthüringen ist und gern auch weitere Regionalwettbewerbe im Freistaat mit maximal jeweils 2.500 Euro unterstützt. Zudem erhalten alle teilnehmenden Schulen je drei Spiele „Jufo Go! – Das Spiel zu Jugend forscht“. Schulen, die sich mit vier oder mehr Arbeiten am Wettbewerb beteiligen, werden mit dem STIFT-Schulpreis in Höhe von je 250 Euro belohnt. Die LEHMANN + Partner GmbH vergibt Sonderpreise in gleicher Höhe, wenn eine Schule mindestens drei Projekte aus der betrieblichen Praxis einreicht. Im Rahmen des Thüringer Sponsorpools für „Jugend forscht“ fördert Bosch Solar Energy Schüler und Schulen im Freistaat mit 10.000 Euro pro Wettbewerbsjahr. Die finanzielle Unterstützung dient vor allem der Anschaffung von Geräten oder Materialien für „Jugend forscht“-Projekte, die nicht aus Schulmitteln zur Verfügung gestellt werden können.

„Thüringer Schülerinnen und Schüler vertreten den Freistaat seit Jahren erfolgreich bei ‚Jugend forscht’. Dank innovativer Ideen und kreativer Lösungsansätze erreichten unsere Jungforscher allein im letzten Jahr drei Fachgebietspreise und zwei Sonderpreise. Dass Wissenschaft und Forschung längst keine ‚Männer-Domänen’ mehr sind, zeigte dabei der über dem Bundesdurchschnitt liegende Anteil der teilnehmenden Mädchen. Auch in der neuen Runde hoffe ich auf viele Anmeldungen, denn unsere Schüler sind leistungsfähig“, so ein Sprecher.

„Jugend forscht“, der Nachwuchswettbewerb in Naturwissenschaften, Mathematik und Technik, wurde 1965 von Henri Nannen ins Leben gerufen. Unterstützt wird der Wettstreit seitdem durch Unternehmen aus Wirtschaft und Wissenschaft. Die Unternehmen tragen Verpflegungs- und Reisekosten, sorgen für Unterbringung und Ausstellmöglichkeiten, vergeben zahlreiche Geld- und Sachpreise und stellen die Räume. Die Teilnehmerzahlen stiegen von anfangs 244 auf derzeit über 9.000. Weitere Informationen sind im Internet unter www.jugend-forscht.de zu finden.

Gregor Hermann
Stellvertretender Pressesprecher

———————————————-
Thüringer Kultusministerium
Werner-Seelebinder-Straße 7
99096 Erfurt
Tel.: (0361) 37 94 632
Fax: (0361) 37 94 638
E-Mail: Gregor.Hermann@tkm.thueringen.de

Treffpunkt Bibliothek

Heimische Büchereien mit eigenen Angeboten zur Kampagne “Deutschland liest”
Quelle: OTZ vom 4.11.2009 von Carola Frindert

Herbstzeit ist Lesezeit. Da setzt die bundesweite Aktionswoche “Deutschland liest” an, die im vergangenen Jahr erstmals vom Deutschen Bibliotheksverband und vom Dachverband Bibliothek & Information Deutschland (BDI) ins Leben gerufen wurde.

Die Idee, Bibliotheken über ein Veranstaltungsprogramm stärker in die Öffentlichkeit zu rücken und zu Begegnungsstätten von Bücherfreunden und Bücherschreibern zu machen, kam gut an. Das bestätigen Ina Hofmann, Leiterin der Stadtbibliothek Hermsdorf, und Gudrun Rothe, die für die Gemeinde- und Kurbibliothek Bad Klosterlausnitz verantwortlich zeichnet.

Beide Einrichtungen sind jetzt bei der zweiten Auflage der Kampagne vom 6. bis 13. November wieder dabei. Unter dem zentralen Motto “Treffpunkt Bibliothek” mit eigenen Veranstaltungsplänen. Dabei setzt man sowohl in der Holzlandstadt als auch in der Kurgemeinde sehr stark auf die Schulen. Mit Blick auf den Bildungsauftrag, den Bibliotheken erfüllen, und im Wissen, dass es bewährte Leseförderung ist, wenn Kinder und Jugendliche gern in die Büchereien kommen.

In Hermsdorf erleben Grundschüler am Montag eine lebendige Literaturstunde, wenn Ingrid Annel, passend kostümiert, die Geschichte “Dornröschen und das kleine Gespenst” vorstellt. Am Dienstag lässt die Schauspielerin Sandy Sanne-Weber für Hermsdorfer Kindergartenkinder die Puppen tanzen. Zur Aufführung gelangt “Das tapfere Schneiderlein”. Am Mittwoch treffen sich die 11. Klassen des Holzlandgymnasiums in der Bibliothek mit Frank Quilitzsch. Der stellt sein Buch “Weißt du noch? – Ein Sammelsurium der Dinge, die wir vermissen” vor und berichtet von seiner Vietnam-Reise.

Eine Woche später gibt es in Hermsdorf nochmals einen ” Lesewochen-Nachschlag”. Am 18. November findet mit einem Lesefest die Aktion “Ich bin eine Leseratte” ihren Abschluss. Aus den fünften Klassen der Regelschule und den sechsten Klassen des Gymnasiums werden dann über 150 Kinder in der großen “Lesestube” des Stadthauses erwartet.

“Wir lesen vor” heißt es zum Auftakt der Lesewochen am Sonnabend, dem 7. November in Bad Klosterlausnitz. Ab 16 Uhr lesen Große und Kleine für Kinder ab fünf Jahren vor. Mit Büchern eigener Wahl die Begeisterung über Lieblingsgeschichten weiterzutragen, hat hier schon Tradition. Interessenten sind dazu willkommen.

Am Mittwoch proben Schüler der 3. und 4. Klassen den “Aufbruch der Bücherwürmer” . So heißt das Buch von Frank Kreisler aus Leipzig, den die Kinder in der Lausnitzer Bibliothek persönlich kennen lernen werden.

Am Donnerstag werden die Mädchen und Jungen der Schmetterlingsgruppe aus der AWO-Tagesstätte mit dem “Ernst des Lebens” konfrontiert. “Mit dem Buchtitel greifen die Autoren Sabine Jörg und Ingrid Kellner das auf, was Ältere aus ihrer Kindheit vielleicht noch kennen, nämlich die Worte, warte nur, wenn du in die Schule kommst, dann beginnt der Ernst des Lebens”, verspricht Gudrun Rothe den Vorschulkindern eine heitere Buchvorstellung. Die Kooperation mit den Schulen unserer Stadt wissen wir sehr zu schätzen.

Über 100 Klosterschüler nutzen Ganztagsangebot

Quelle: TA vom 4.11.2009

Neue Besen kehren gut und neue Träger legen sich doppelt ins Zeug, um zu überzeugen. So offeriert die Klosterschule in Roßleben seit sie in Freier Trägerschaft ist ein sogenanntes Tagesangebot, bei dem die Kinder gegen Aufpreis bis zum Abend betreut werden.
ROSSLEBEN (st). Ziel sei es, dass dadurch die Grenzen zwischen den “Internen” und den “Externen”, also den Internatsschülern und denen aus der Region, verschwinden würden, sagte Schulleiterin Liliana Meyer.

Denn was den “normalen” Schülern im Tagesangebot offeriert wird, ist nichts anderes als die Leistung, die auch die Internatsschüler bekommen. “Für 160 Euro pro Schüler und Monat ist man dabei”, so die Pädagogin. Dafür gibt es Mittagessen und jede Menge Angebote am Nachmittag. Der stellvertretende Schulleiter Gernot Gröppler habe das Projekt konzipiert und betreut. Dabei wurde auf eine Ausgewogenheit der Angebote geachtet. Rhetorikkurse und orientalischer Tanz, Wirtschaft/Recht und Outdoormanagement sowie kreative Kunst können belegt werden. Dazu kommen noch jede Menge Sport von Volleyball bis Tennis, Französisch und Schulgeschichte, Modellbau, Mathe, Schulchor und -orchester. Von 16 bis 18 Uhr wird es schweigsam, wenn beim Silentium unter Aufsicht und Betreuung die Hausaufgaben gemacht werden. “Das Interesse der Eltern ist groß, 100 der 400 Schüler nehmen daran teil. Dazu kommen ja noch die 70 Internatsbewohner”, so Liliana Meyer, die sich über das neue Leben am Nachmittag auf dem Campus freut.

Allerdings seien es vor allem die Jüngeren, die den ganzen Tag in der Klosterschule verbringen. Je älter die Schüler werden, desto größer ist scheinbar auch der Freiheitsdrang. Zudem kommen auch organisatorische Probleme auf die Eltern zu. Denn wenn das Silentium um 18 Uhr beendet ist, sind die letzten Schulbusse lange abgefahren. “Auch dafür fanden sich nun Lösungen. Die Eltern organisierten einfach Fahrgemeinschaften, bei denen wechselseitig der Transport der Kinder nach Hause abgesichert wird”, so die Schulleiterin.

Die Gefahr einer Zweiklassenpädagogik bestehe nicht. “Es gibt ein kostenloses Basisangebot, in dem vor allem Sportgruppen, Schülerfirma, Theater und Musikgruppen zu finden sind”, sagte sie. Nur das Mittagessen müsste dann extra bezahlt werden. Ansonsten gelte aber: “Ganz oder gar nicht.” Das Tagesheimangebot gebe es nur als Ganzes, es sei nicht möglich, sich “nur die Rosinen herauszupicken und dann weniger zu bezahlen.” Denn bei einer Schule in Freier Trägerschaft müssten sich solche Angebote natürlich auch rechnen.

Dennoch habe man bereits die Erfahrung gemacht, dass sich die Eltern die besondere Förderung und Betreuung eines Schülers durchaus auch etwas kosten lassen. So gebe es in den vergangenen Wochen verstärkt Anmeldungen von Kindern aus dem Sangerhäuser Raum. Für diese zahlt der Kreis nicht das Schulgeld, so dass die Eltern nicht nur monatlich 350 Euro für die Ganztagsbetreuung zahlen, sondern auch den Transport selbst absichern.

Der Fall Peter Petersens

Plädiert für Aufklärung: der Jenaer Historiker Professor Jürgen John
Quelle: TLZ vom 4.11.2009 von Wolfgang Hirsch

Jena. (tlz) In einer nachhaltigen und leidenschaftlichen Debatte versucht die Stadt Jena zu ergründen, ob der nach dem Reformpädagogen Peter Petersen ( 1884-1952) benannte Platz seinen Namen behalten soll. Dafür spricht die Bedeutung der Jenaplan-Pädagogik, dagegen die NS-Vergangenheit ihres Schöpfers. Wir sprachen mit dem Jenaer Historiker Professor Jürgen John, der eine Moderatorenrolle einnimmt, über Für und Wider sowie über die Diskussionskultur in der Aufarbeitung solcher ” NS-Fälle”.

Muss der Petersenplatz umbenannt werden?

Das kann ich nicht entscheiden. Einerseits, weil ich dem städtischen Kulturausschuss nicht vorgreifen möchte; andererseits, weil ich selbst in dieser Frage unsicher geworden bin. Natürlich hätte man es 1991 besser überlegen sollen, ob man den Platz nach ihm benennt; denn das bedeutet ja ehrendes Gedenken. Wenn man den Namen nun wieder aberkennt, könnte das jedoch als Signal missverstanden werden, unter die Debatte einen Schlussstrich ziehen zu wollen, anstatt das Problem präsent zu halten.

Was wären die Alternativen?

Wenn wir wirklich dem Anspruch gerecht werden wollen, stilbildend und souverän zu sein, muss man widersprüchliche Persönlichkeiten von Rang auch erinnerungskulturell aushalten können – wenn man sie schon in die Position eines ehrenden Gedenkens gebracht hat.

War Petersen Nazi?

So würde ich ihn nicht bezeichnen. Für mich ist es aber unerträglich, dass Peter Petersen Schriften antisemitischen und rassistischen Inhalts verfasst hat, dass er ohne besondere Skrupel politische Bündnisse mit den NS-Rektoren Meyer-Erlach und Astel zu schließen versucht hat und dass er sich mit Nationalsozialisten umgeben hat.

Sehen Sie ihn als Mitläufer oder als Opportunisten?

Weder noch. Er gehört zu einem Typus, dem ich bei meinen Forschungen zum ,Dritten Reich´ im akademischen Milieu häufig begegne: Leute, die versucht haben, eine vermeintliche Gunst der Stunde zu nutzen, um ihre Wissenschaft zum Einsatz zu bringen. Petersen hegte die Hoffnung, er könne seine Schule zur Grundlage eines nationalsozialistischen Erziehungssystems machen – womit er sich gründlich geirrt hat.

Warum?

Weil seine Pädagogik dafür absolut untauglich war. Ein Gutachten des Reichserziehungsministeriums urteilte 1935/36: “Das Gruppenmodell integrativer Pädagogik ist mit unserem Grundsatz des Führerprinzips unvereinbar.” Danach gab es nur noch Petersens Universitätsschule in Jena.

Daraus müsste man schließen, dass Petersens Reformpädagogik keine nationalsozialistische ist.

So ist es. Die Jenaplan-Pädagogik kommt aus einem demokratischen Kontext. Es gibt eine deutliche demokratische Gründungs- und Schultradition. Daran wurde in der Bundesrepublik nach 1945 wieder angeknüpft, während man in der DDR 1950 davon bewusst Abstand nahm – nicht um sich vom Nationalsozialismus, sondern um sich von der angeblich reaktionären Weimarer Zeit zu distanzieren. Bis Mitte der 1920er Jahre bewegte sich Petersen vor allem im Milieu entschiedener Schulreformer, das damals sozial- und linksdemokratisch geprägt war. Es gibt aber eine lange Tradition, die Rolle Petersens im Nationalsozialismus gegen die Reformpädagogik zu instrumentalisieren.

Schonungslose Aufklärung nötig

Wie soll die Stadt Jena nun vorgehen?

Erst aufklären, dann entscheiden. Genau das geschieht ja derzeit; dazu gab es zwei öffentliche Podiumsgespräche mit Fachleuten. Man muss die Rolle Petersens im Nationalsozialismus schonungslos aufdecken und sich von seinem Gesamtwerk und seiner Persönlichkeit ein Bild machen.

Worauf kommt es dabei an?

Es geht nicht darum, “Gut” gegen “Böse” aufzurechnen oder etwas zu beschönigen. Sondern die Kernfrage richtet sich nach der Bedeutung dieser Persönlichkeit aus heutiger Sicht. Zum Beispiel spricht Wolfgang Edelstein, früher Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, von Petersens Relevanz für das, was heute von ihm und anderen als moderne, als “gute Schule” bezeichnen.

Wenn wir die aktuelle Petersen-Debatte als exemplarisch dafür ansehen, wie wir in unserer Geschichtsbetrachtung mit dem Zeitraum 1933 bis 1945 umgehen: Was haben wir dann daraus gelernt?

Ich sehe meine Hoffnungen durchaus erfüllt, dass die Fakten, die in Fachkreisen längst bekannt waren, öffentlich auf den Tisch gelegt werden, um aus alten Grabenkämpfen in der Petersen-Debatte herauszukommen. Mit den öffentlichen Podiumsdiskussionen hat die Stadt Jena in dieser Hinsicht schon viel erreicht.

Negativ sehe ich das, was der Petersen-Spezialist und Kommunikationstheoretiker Hein Retter eine “pathologische Debatte” genannt hat. Damit meinte er Situationen, in denen permanent aneinander vorbeigeredet wird. Ich bedaure, dass der Pädagogikforscher Benjamin Ortmeyer, dessen Forschungen wir den Anstoß zur jetzigen Debatte verdanken, nun ein Zerrbild Petersens entwickelt, wenn er ihn weitgehend auf die Rolle eines NS-Propagandisten reduziert. Das hat mit Aufklärung nichts zu tun und klingt leider nach Diffamierung und Skandalisierung. Das gab es auch in einer medialen Berichterstattung, der die demokratische Tradition der Jenaplan-Pädagogik offenbar nicht ins Bild passte.

Nun hat die Stadt Jena den “Schwarzen Peter”. Gibt es Alternativen zu einer Änderung des Platznamens?

Von “Schwarzem Peter ” würde ich nicht sprechen. Sondern es ist eine echte Chance, sauber, offen, fair und souverän mit der Sache umzugehen. Wie auch immer die Stadt sich entscheidet, muss auf jeden Fall das Problem präsent gehalten werden. Es wurde ja zum Beispiel auch die Idee vorgetragen, auf dem Platz einen Erinnerungsort zu gestalten, der das Schwierige im Erinnern oder Gedenken an solche Persönlichkeiten aus der NS-Zeit paradigmatisch thematisiert.

Sehen Sie Parallelen zum Fall des Jenaer Kinderarztes Jussuf Ibrahim?

Die Petersen-Debatte wird nicht mit derselben Leidenschaft geführt; die Brisanz ist auch geringer. Es macht einen Unterschied, ob wir über jemanden sprechen, der wissentlich Kinder ihrer Ermordung im Zuge der ” NS-Euthanasie” überantwortet hat, oder über jemanden, der abscheuliche Schriften verfasst hat. Ich sage das, ohne irgendetwas relativieren zu wollen. In der Ibrahim-Debatte standen Historiker und Journalisten in Opposition zu Offiziellen der Stadt; nun betreibt die Stadt Jena die Aufklärungsarbeit von sich aus. Diese Offenheit halte ich für sehr beeindruckend, für einen Fortschritt. Im Fall Ibrahim gab es allerdings den Versuch, einen Schlussstrich nach der Debatte zu ziehen. Das ist nicht originell, und es gelingt auch nicht. Es gibt niemals einen Schlussstrich.

Der 4te November in der Weltgeschichte

Wie immer zum Abschluss ein historischer Blick auf das heutige Datum. Dachte ich doch bisher, es gab einen 30- und einen 100-jährigen (der allerdings 116 Jahre dauerte) Krieg, so muss ich am heutigen Tag feststellen, dass es sogar einen 80-jährigen gab. Man lernt eben nie aus. So scheint dieses Datum für viel Säbelrasseln vorbehalten zu sein (siehe WIKI-Übersicht) oder für amerikanische Präsidentenwahlen. Ist tatsächlich schon wieder ein Jahr her, dass die Amis den “Black-Kennedy-”Obama gewählt haben. 1989 fand die größte Demo der Wendezeit mit einer Million Menschen in Ost-Berlin statt.

Die heutigen Glückwünsche gehen an den 1923 geborenen Alfred Heineken (gest. 2002), der es ermöglichte sogar im Ausland ein halbwegs passables Bier trinken zu können und den 1972 geborenen Luis Figo, einen der wohl virtuosesten Ballzauberer der Fußballgeschichte.

Wer mehr wissen möchte schaue unter:

Wiki-ich-streit-mich-drum-wer-eintragen-darf

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