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« Pressespiegel vom 24. März 2009 Pressespiegel, 26. März 2009 »

Pressespiegel vom 25.März 2009

Martin Oeltermann | 25. März 2009 | 06:51 Uhr
Vorlesen mit webReader

Liebe Leser,

der 25. März hat es in sich. Wußten Sie schon, daß an diesem Tag im Jahre 1811 Napoleon den Anbau von Zuckerüben anordnete oder die Russen 1961 den letzten Testhund mit Sputnik 10 ins All schossen? 1957 unterzeichnete man die römischen Verträge und 1966 vollbrachte man die Erstbesteigung der Eiger-Nordwand Direktroute.

Geburtstag hätten heute Freiherr von Gagern, Friedrich Naumann, Béla Bartók und Simone Signoret. Gratulieren können wir Aretha Franklin und Elton John. An dieser Stelle herzlichste Gratulation an alle heutigen Geburtstagskinder und -eltern.

Der 25. März ein Tag wie jeder andere, denn auch heute werden wieder zig Entscheidungen getroffen. Bedenken wir unsere eigenen und achten weiter auf unsere Kinder. In diesem Sinne: Carpe diem!

Ihr Martin Oeltermann

Schülerparlament

Landtagsabgeordneter für zwei Tage

Zwei Suhler Schüler waren dabei und diskutierten zu Medienkompetenz
Quelle: FW vom 25.03.2009 von Ruth Schafft

Suhl – Mal für zwei Tage Landtagsabgeordneter sein – welche Aufgaben erwarten einen, wie ist das Verhältnis zu den anderen Fraktionen, welche Chancen haben die eigenen Anträge, wie ist das, im richtigen Plenarsaal eine Rede zu halten, was und wie kann man als Politiker etwas bewegen?

Parlamentarische Luft schnupperten dieser Tage Ulrich Engelbert und Hannes Böhm im Thüringer Landtag. Die zwei Schüler aus der Suhler Jenaplanschule gehörten zum Schülerparlament, das in dieser Wahlperiode zum zweiten Mal von Landtagspräsidentin Dagmar Schipanski „einberufen“ wurde. Jeder Abgeordnete war aufgerufen, dafür einen Schüler aus seinem Wahlkreis zu gewinnen. Die Suhler Linkspolitikerin Ina Leukefeld lud (mit dem ihr überlassenen Mandat einer Fraktionskollegin) gleich zwei Schüler ein.

„Politisches Interesse geweckt“

Nach seiner Mitarbeit im Schülerparlament sei sein politisches Interesse geweckt worden, sagt der 16-jährige Ulrich. „Das war eine tolle Erfahrung, so dass ich mich künftig mehr einbringen möchte.“ Und Hannes, bereits schon ein „alter Hase“ unter den Schülerabgeordneten – er saß schon im ersten Parlament – fand besonders die Diskussionen toll. „Zu unseren Ideen gab es viele Gegenargumente“, so der 16-Jährige. Da ging es in den Fraktionen und Ausschüssen recht spannend zu. Und einmal auch nicht so, wie sie es von Gleichaltrigen erwartet hätten. Womit die beiden auf die Reaktion eines ihrer Fraktionsmitglieder anspielten, der den Hitlergruß gezeigt hatte (Freies Wort berichtete). Dies sei eine Kurzschlussreaktion auf die Provokation einer anderen Fraktion gewesen, die derjenige sofort bereut und für die er sich entschuldigt habe. „Die Fraktion hat sich davon klar distanziert“, erklärt Ina Leukefeld.

Zur politischen Arbeit, so die Erfahrungen der Suhler Schüler, gehört weit mehr, als nur Reden halten. Ulrich und Hannes – sie gehörten zur Fraktion der „Rotkehlchen“, die anderen Fraktionen nannten sich Team Junges Thüringen (CDU) und Willi Brandts Enkel (SPD) – arbeiteten im Ausschuss mit, der sich mit dem Verbot von Killerspielen befasste. Dann aber thematisch in Richtung Medienkompetenz erweitert wurde. Beide haben ausführlich zur Thematik recherchiert, um fachlich und argumentativ gerüstet zu sein. Andere vorgegebene und von den Schülern diskutierte Themen befassten sich mit der musischen Bildung, der Bewertung von Lehrern oder dem Klimaschutz an den Schulen. Die Jugendliche, so MdL Leukefeld, hätten die Grundprinzipien der parlamentarischen Arbeit erfahren und Verständnis für politische Zusammenhänge bekommen. „Das war erlebte Demokratie.“ Und die Wünsche der „Parlamentarier auf Zeit“? Die brachte Hannes auf den Punkt: „Dass unsere Anträge von den Politikern ernst genommen werden.“ Ina Leukefeld, deren Fraktion das Schülerparlament ausgewertet und dabei das Nichteinbeziehen der Lehrer kritisierte hat, ist sich sicher, dass sich einige ihrer Punkte in Anträgen der Fraktionen wiederfinden werden. Ruth Schafft

Anmeldung zum 21. Landeselterntag in ErfurtAnmeldebutton2009

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Nachwuchsförderung

Lehrer scheuen Betriebspraktika

Quelle: Handelsblatt vom 23.03.2009 von Monica V. Wysocki

Um ihren Nachwuchs zu sichern, gehen immer mehr Unternehmen neue Wege: Sie laden Pädagogen zu einem Schnupperkurs ein. In sogenannten Betriebspraktika sollen die Lehrer für die Bedürfnisse der Unternehmen sensibilisiert werden und ihr neu gewonnenes Wissen an die Schüler weitergeben. Doch das Angebot wird von der Bürokratie gebremst.

DÜSSELDORF. Günther Meyer geht es wie vielen Ausbildern in deutschen Betrieben. „Es ist durch den demografischen Wandel schwieriger geworden, geeignete Bewerber für unsere Ausbildungsplätze zu finden, vor allem im technischen Bereich“, sagt Meyer, der Jugendliche beim Flugzeughersteller Airbus in Hamburg zum Fluggerätemechaniker oder zum Elektroniker für luftfahrttechnische Systeme ausbildet. Die Bewerberzahlen gingen zurück, und nur wenige Jugendliche wählten Mathe als Leistungskurs in der Schule, sagt Meyer.

Airbus geht deshalb ungewöhnliche Wege, um den Nachwuchs für die 600 Ausbildungsplätze in Hamburg zu sichern: Über die Handelskammer Hamburg bietet der Flugzeugbauer Betriebspraktika für Lehrer an. Für eine Woche kommen Pädagogen von allgemeinbildenden Schulen in das Unternehmen, lernen Arbeitsabläufe kennen, etwa die Produktion von einem Airbus, und erfahren in der Personalabteilung, wie angehende Lehrlinge rekrutiert werden. Pro Jahr hospitieren sechs Lehrer; bislang nahmen 50 Lehrkräfte an der Aktion teil.

„Der Lehrer bekommt im Praktikum einen Eindruck, welche Kompetenzen seine Schüler brauchen, wenn sie sich bei Airbus bewerben wollen“, sagt Ausbilder Meyer. Sowohl fachliche Kompetenzen als auch sogenannte Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein würden im Flugzeugbau vorausgesetzt. Airbus habe mit den Lehrerpraktika einen guten Weg gefunden, um die Zusammenarbeit mit den Schulen zu verbessern. „Wichtig ist mir, dass die Lehrer den Schülern ihre Eindrücke aus der Arbeitswelt und die Anforderungen der Betriebe vermitteln, um sie auf das Berufsleben vorzubereiten“, sagt Meyer. Viele der Lehrer-Praktikanten seien zum ersten Mal in einem Unternehmen.

Das Praktikum für Lehrer bei Airbus gehört zum Projekt „Innenansichten“ der Handelskammer Hamburg. Seit 13 Jahren vermittelt die Kammer zusammen mit der Schulbehörde Lehrer in Unternehmen, die Einblicke in die Welt der Wirtschaft bekommen möchten. Bislang nahmen 800 Pädagogen an dem Projekt teil. In diesem Jahr haben sich bereits 70 interessierte Lehrer gemeldet, normalerweise gehen bis Jahresende 80 Anfragen ein. Dennoch ist die Nachfrage geringer als das Angebot. Die Wirtschaft stellt den Hamburger Schulen in diesem Jahr 200 Lehrerpraktikumsplätze zur Verfügung – eine Rekordzahl für das Projekt. Zu den Firmen zählen unter anderem Shell, die Optikerkette Fielmann, die Werft Blohm + Voss, aber auch viele Mittelständler.

„Die Lehrerpraktika sind oft die Türöffner für eine nachhaltige Kooperation zwischen Unternehmen und Schulen“, sagt Projektleiter Paul Raab von der Handelskammer Hamburg. Weitere Aktionen, wie Betriebsbesichtigungen und Bewerbertrainings, folgten dann, erklärt Raab.

Die Liste der Industrie- und Handelskammern (IHK), die Lehrerpraktika vermitteln, ist lang. Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft unterstützt Lehrer bei der Suche nach einem Praktikum. Doch so gut wie in Hamburg läuft es längst nicht überall. „Das Angebot der Wirtschaft ist seit Jahren größer als die Nachfrage in den Lehrerkollegien“, sagt Berit Heintz, Bildungsreferentin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag.

Beispiel Hessen: „In zweieinhalb Jahren hat sich bisher bei uns noch kein Lehrer für ein Betriebspraktikum angemeldet“, sagt Hanna Kind, Leiterin des Bereichs Schule der hessischen IHKs. Auch in Baden-Württemberg können nicht alle Plätze besetzt werden. Immerhin 50 Lehrer vermittelt die IHK Stuttgart pro Jahr an Unternehmen wie Daimler, Bosch oder Heidelberger Druck.

Warum melden sich nicht mehr Lehrer für ein Praktikum? Die Lehrkräfte haben oft Probleme, für die Zeit vom Schulleiter freigestellt zu werden, um Unterrichtsausfälle zu vermeiden. Und ob ein Praktikum als Fortbildung anerkannt wird, liegt meist im Ermessen der Schulbehörde oder des Schulleiters. „Das Land Hessen macht Betriebspraktika als Fortbildung für Lehrer regelrecht unattraktiv. Damit die Lehrer ihr Praktikum als Fortbildung anerkannt bekämen, müssten sich die Unternehmen erst mal beim Kultusministerium akkreditieren“, sagt Hanna Kind von der IHK in Hessen. Somit komme zum Aufwand der Praktikumsbetreuung der Aufwand einer Registrierung hinzu.

Anders in Hamburg: Hier gilt das Praktikum im Sinne des Schulgesetzes als Fortbildung für Lehrer. Die Schulbehörde stellt das Projekt in den Schulen vor, und die Handelskammer wirbt bei den Unternehmen für Praktikumsplätze. „Am Ende bekommt der Lehrer dann von der Handelskammer über das Praktikum eine Fortbildungsbescheinigung, die von der Schulbehörde anerkannt wird“, sagt Raab von der Handelskammer.

Eine Maßnahme, die in den Schulen gut ankommt. Lehrerin Sabine Weid ist überzeugt: „Ich habe durch das Praktikum neue Impulse bekommen. Der Unterricht ist praxisnäher und interessanter geworden.“ Weid unterrichtet Sprachen und Arbeitslehre an der Schule Am Falkenberg, einer Grund-, Haupt- und Realschule in Hamburg. Für eine Woche arbeitete sie bei Airbus – teilweise in den Ferien. „Ich bin morgens mit den anderen Mitarbeitern im Werksbus zur Halle gefahren und war im Blaumann beim Nieten im Flugzeugrumpf der A 320 dabei“, erzählt die Lehrerin. Außerdem hospitierte sie in der Personalabteilung bei den Bewerbungsgesprächen und korrigierte auch die Einstellungstests mit. „Im Fach Arbeitslehre/Berufsorientierung möchte ich meine Schüler auf die Ausbildung vorbereiten, und dafür brauche ich Einblicke in ein Unternehmen“, sagt Weid. Ihr Praktikum hat die Schulbehörde als Fortbildung anerkannt.

Ausbilder Günther Meyer will in Zukunft wieder Lehrer in die Arbeitswelt bei Airbus einladen und empfiehlt es auch anderen Unternehmen: „Der Aufwand ist zwar sehr hoch, aber der Nutzen ebenso.“

Preiswürdig geforscht

Quelle: NNZ vom 24.März 2009

Zwei Nordhäuser Schüler erringen Preise beim Regionalausscheid „Jugend forscht“ Nordthüringen. Die nnz hat mal nachgeforscht, wer da geforscht hat…

Susanne Lindner von der Regelschule Petersberg und Björn Baudler vom Herdergymnasium haben Preise beim Nordthüringer Regionalausscheid für „Jugend forscht“ errungen, der jetzt in Sömmerda stattgefunden hat. Das sagte Nordhausens Jugend- und Bildungsreferentin Stephanie Knoche. Björn Baudler ergatterte den 3. Preis im Bereich Geo- und Raumwissenschaften für seine Arbeit zum Thema „Astronomie für Grundschüler“.

Bereits zuvor hatte Björn einen 1. Preis und einen Sonderpreis für seine Arbeit zum Thema „Ein 4-Familien-Vogelhaus“ sowie einen 2. Preis zum Thema „Sand-Arten “bekommen. Susanne Lindner erhielt im Bereich Biologie den Sonderpreis für ihre Arbeit zum Thema „Lactoseintoleranz – Vorkommen, Ursachen und Hilfe“.

Für Björn war die Erstellung der Arbeit wichtig, „vor allem meine persönlichen Erfahrungen beim direkten Vermitteln der Astronomieinhalte an die Grundschulkinder. Für die Teilnahme am Jugend-forscht-Wettbewerb ist jedoch auch die Erstellung einer schriftlichen Arbeit notwendig”, sagte Björn.

Für Susanne stand im Vordergrund „der Austausch mit anderen Teilnehmern. Insbesondere das gemeinsame Interesse am Forschen oder Experimentieren war besonders spannend. Auch das Vorstellen der geleisteten Arbeit und das Gespräch mit der Jury war beeindruckend.“

Mit auf den Weg nach Sömmerda gemacht hatten sich auch Thilo Lindner, Sebastian Schwefel, Markus Müller, Felix Mollenhauer und Florian Klante. Sie alle waren Teilnehmer der Schülerakademie am August-Kramer-Institut an der Fachhochschule Nordhausen „und konnten in Sömmerda weitere Eindrücke für wissenschaftliches Arbeiten und den Aufbau von Projektpräsentationen bekommen“, so Frau Knoche. „Bereits auf dem Heimweg wurde dann gemeinsam nach Themen für eine eigene Teilnahme gesucht – und wie bei Björn Baudler steht auch für Susanne Lindner schon fest: Ich bin wieder dabei!“

Lehrer mit Zuwanderer-Biografie gesucht!

Quelle: ZEIT ONLINE vom 24.3.2009 von Hermann Horstkotte
Zehn Prozent der Schüler haben einen Migrationshintergrund, aber nicht einmal ein Prozent der Lehrer. Die Bildungspolitik will das jetzt ändern

“Ja, ich möchte später Lehrer werden”, sagt Can Arslan, Elftklässler einer Gesamtschule in Gelsenkirchen. Auf einem mehrtägigen Seminar für angehende Abiturienten, einem sogenannten Schülercampus, konnte er kürzlich das Unterrichten ausprobieren: “Mal selber Gruppenarbeit organisieren, ein übersichtliches Tafelbild gestalten und vor allem immer stressresistent bleiben.” Die Hertie-Stiftung hatte dreißig begabte Jungen und Mädchen aus der Oberstufe zum Trainingscamp nach Düsseldorf eingeladen, ausnahmslos Talente aus Gastarbeiter-Familien. “Mehr Lehrer mit Zuwanderungsgeschichte gewinnen!”, war das Leitmotiv.

Längst gehört es zum Pflichtenkatalog in der Personalentwicklung großer Unternehmen, eine ethnische und kulturelle Vielfalt unter den Mitarbeitern zu schaffen. Denn Diversity, so heißt das Fachwort dafür, gilt als produktiv. Dementsprechend haben sich auch die Bundesländer im Nationalen Integrationsplan von 2007 zur “erhöhten Einstellung von Lehrkräften mit Migrationshintergrund” verpflichtet.

Bislang gibt es bundesweit allerdings mehr Polizisten als Pädagogen, die mit ihrer multikulturellen Lebenserfahrung fremde Verhaltensweisen persönlich kennen und deshalb darauf besser reagieren können. Ihr Anteil unter den Düsseldorfer Ordnungshütern beispielsweise liegt bei fünf Prozent. Hingegen sind an Rhein und Ruhr, wo jeder dritte Schüler ausländischer Herkunft ist, höchstens 1300 von 180 000 Lehrkräften selbst in zwei Sprachen und Kulturen zu Hause. Viel zu wenig, kritisiert der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet: “Denn soziale Einbindung braucht Vorbilder. Und Lehrer mit Zuwanderungsgeschichte zeigen Eltern und Kindern, dass Aufstieg durch Bildung möglich ist, unabhängig von der Herkunft.”

Im Falle Can Arslan geht diese Rechnung auf. Sein Vater ist Handwerker in einem Metallbetrieb. Zu Hause wird türkisch gesprochen. “Alles soweit okay”, sagt Can. “Vorbild für meine berufliche Zukunft ist aber mein Klassenlehrer.” Sein Name: Abbas Mordeniz, Studienrat für Türkisch, Sport und Mathe. Der Mittdreißiger war mit seinen Arbeit suchenden Eltern aus Ostanatolien nach Deutschland gekommen. Er lernte als 15-jähriger Deutsch, machte Abitur und studierte an der Universität Essen. “Seit ich die Schule als soziales Sprungbrett kennen gelernt habe, stand für mich das Lehramt als Traumberuf fest. Anwälte oder Betriebswirte spielten demgegenüber in einer mir völlig unbekannten Welt.”

Doch solche Bildungskarrieren sind immer noch seltene Ausnahmen. Im vergangenen Jahr beispielsweise waren lediglich 10 000 von 300 000 Abiturienten Migrantenkinder. Ihre Zahl müsste drei Mal höher sein, um im statistischen Durchschnitt zu liegen. Rund neunhundert der Besten werden gegenwärtig von der Hertie- und der Bosch-Stiftung mit monatlichem Büchergeld, einem PC nebst Internetanschluss zu Hause sowie in außerschulischen Seminaren besonders gefördert.

“Wenn sich also jemand von meinen Schülern über Benachteiligungen beschwert, kann ich viel besser darauf hinweisen, dass sich Anstrengung lohnt”, sagt Lehrer Mordeniz. Er gab auch Can den Tipp, sich um ein START-Stipendium zu bewerben. Und wenn er sich wirklich für ein Lehrerstudium entscheiden sollte, dann kann er es mit dem Horizonte-Stipendium der Hertie-Stiftung versuchen. 650 Euro im Monat, mehr als der Bafög-Höchstsatz. Referendare bekommen tausend Euro im Jahr.

Dieses Begabtenprogramm ist neu. Im ersten Jahr werden 13 Studenten und sechs Lehramtsanwärter mit Migrationshintergrund unterstützt, überwiegend Frauen. Mittelfristig sollen laufend vierzig Stipendien vergeben werden, sagt Stiftungs-Sprecherin Dörte Florack. Das ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber selbstverständlich stehen alle deutschen Förderwerke wie etwa die Studienstiftung auch Schülern und Abiturienten mit ausländischem Pass offen.

Um aus diesem Kreis möglichst viele künftige Kollegen zu gewinnen, hat sich in Nordrhein-Westfalen ein “Netzwerk Lehrkräfte mit Zuwanderungsgeschichte“ gebildet. Eine der Mitbegründerinnen, Antonietta Zeoli, wurde jüngst vom Schulministerium zur Landeskoordinatorin berufen. Sie soll jetzt von Amts wegen Diversity populär machen, an den Schulen selbst wie in der breiten Öffentlichkeit.

Davon können nicht zuletzt deutsche Pädagogen profitieren. Sie erliegen sonst leicht, wie eine aktuelle Studie des Bundesbildungsministeriums über Bildungsmisserfolge zeigt, stereotypen Vorurteilen, haben etwa das Bild vom “türkischen Pascha” im Kopf. Experten sprechen von “negativ kulturalisierenden Zuschreibungen“, die dazu führen können, dass Kinder in der Schule abqualifiziert werden. Obwohl im Gegenteil Vielfalt alle bereichern könnte.

Jungen haben schlechtere Bildungschancen als Mädchen

Die Linkspartei fordert mehr Erzieher und Lehrer. Doch Experten warnen vor „Disziplinpädagogik“ und prangern unselige Traditionen an.
Quelle: FW vom 25.03.2009 von Eike Kellermann

Einen Mann, sagt die Linken-Politikerin aus Eisenach, habe er in der Schule noch nicht gesehen. Im Kindergarten zuvor sei das nicht anders gewesen. Dabei kennt die Gleichstellungspolitikerin Studien aus Schweden, die genau darin das Problem sehen: Demnach reden Kindergärtnerinnen fünf Mal weniger mit Jungen als mit Mädchen.

Erwächst auf diese Weise eine neue Ungleichheit? Mussten sich Frauen mühsam die Gleichberechtigung erkämpfen, damit diese nun ins Gegenteil umkippt? Denn es sind „verheerende Ergebnisse“, die Katja Wolf aus der neuen Studie „Geschlechterdifferenzen im Bildungssystem“ herausliest. Und Thüringen schneidet oft ganz weit hinten ab.

Förderschüler zu zwei Dritteln Jungs

Der Studie zufolge, die im Auftrag der bayerischen Wirtschaft entstand, werden beispielsweise Jungen in Förder- und Sonderschulen „bundesweit aussortiert“. Thüringen landet dabei auf dem vorletzten Platz. Hier stellen Jungen zwei Drittel der Förderschüler. Ähnlich verhält es sich beim Schulbesuch ohne Abschluss. Dagegen gibt es ein deutliches Übergewicht der Mädchen unter den Gymnasiasten in Thüringen: 55 Prozent sind Schülerinnen, 45 Prozent sind Schüler. Geht es ums Abitur, öffnet sich die Schere noch weiter.

„Jungs werden zunehmend zu Bildungsverlierern“, lautet das Fazit von Wolf. Ihre Parteikollegin, die Altenburger Bildungspolitikerin Michaele Sojka, setzt diesen Befund in Beziehung zur anhaltenden Abwanderung vornehmlich junger Frauen. Ihre provozierende These: „Schlaue Mädchen heiraten keine dummen Jungs. Die Heiratsverlierer bleiben da.“

Um der Benachteiligung Herr zu werden, verlangt Sojka: Kein Abschieben mehr in Förderschulen und keine Trennung von Regelschülern und Gymnasiasten schon nach der vierten Klasse. Jungs seien unangepasster als Mädchen, deshalb sollten die Lehrer befähigt werden, besser mit abweichendem Verhalten umzugehen. Zudem sollte das Personal – bei besserer Bezahlung – in Kindergärten und Grundschulen männlicher werden, um auf die Geschlechterunterschiede eingehen zu können.

Nachholbedarf in Ostdeutschland

Längst habe man das Problem erkannt, kontert Kultusminister Bernward Müller (CDU).

Es gebe eine besondere Förderung für Jungen beim Lesen und im Thüringer Bildungsplan. Müller räumt aber ein, dass es „ein Umdenken“ geben müsse in der Bereitschaft junger Männer, Erzieher oder Grundschullehrer zu werden. Er ermuntere dazu.

Generell zeigt die Studie, dass es vor allem die ostdeutschen Bundesländer sind, die erheblichen Nachholbedarf haben: Bei männlichem Lehrer- und Erziehungspersonal sowie bei der Chancengleichheit für Jungen.

Woran das liegt, bleibt vorerst offen. Die Generalkritik der Linken lautet zwar: „Das Thüringer Bildungssystem diskriminiert deutlich.“ Gleichstellungspolitikerin Wolf relativiert das aber: „Lehrerinnen diskriminieren nicht die Jungs.“ Es fehle aber die Kompetenz, mit den Verhaltensunterschieden umzugehen.

Womöglich hängt das auch mit falschen Erziehungsidealen zusammen. Für den Kindertherapeuten Wolfgang Bergmann offenbart sich eine unselige Tradition: „Gehen sie mal auf eine pädagogische Tagung, auch bei Profis: Kontrolle, Strafe, wie kontrolliert man das, wie bestraft man das. Das sind die einzigen Fragen, die kommen“, berichtet er im Deutschlandfunk.

Disziplin zerbröselt Kultur

Das Wort Disziplin, so Bergmann, sei etwas sehr deutsches und werde unsere Kultur weiter im Inneren zerbröseln. „Die Disziplinpädagogen zerstören die Liebe der Kindheit und damit Kindheit insgesamt.“

Geschlechterdifferenzen im Bildungssystem –
Das Thüringer Bildungssystem diskriminiert deutlich

Quelle: Pressemitteilung der Landtagsfraktion Die Linke

Im Rahmen seines Jahresgutachtens 2009 zu „Geschlechterdifferenzen im Bildungssystem“ hat der Aktionsrat Bildung (bestehend aus namhaften Bildungsforschern Deutschlands) aktuelle Daten zu den Geschlechterdifferenzen im Bildungssystem der einzelnen Bundesländer veröffentlicht. Wie die vorliegenden Daten zeigen, ist das Thüringer Bildungssystem nicht in der Lage, Geschlechterdifferenzen in der Bildung auszugleichen. Der Vergleich der Befunde mit anderen Bundesländern macht deutlich, dass in Thüringen bestehende Geschlechterdifferenzen besonders hoch sind. Sowohl in Bezug auf die Differenzen zwischen Schülerinnen und Schülern als auch bzgl. der Personalsituation in den vorschulischen und schulischen Bildungseinrichtungen gehört Thüringen zu den Spitzenreitern in Sachen Geschlechterungleichheit.
In ihrem Fazit sprechen die Wissenschaftler von „dramatischen Resultaten in einigen Bundesländern“ und kommen zu dem Schluss, dass in Thüringen (neben Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg) „das Risiko von Jungen,in Schule und Beruf zu scheitern, am größten ist“.

Besonders besorgniserregend für Thüringen sind die folgenden Befunde:
- Der Anteil der Jungen in den Förderschulen ist besonders hoch (Thüringen bundesweit Platz 15: 36 % Mädchen vs. 64 % Jungen),
- Jungen schließen die Schule häufiger nur mit Hauptschulabschluss ab (bundesweit Platz 13: 41 % Mädchen vs. 59 % Jungen),
- männliche Schüler deutlich häufiger ohne Schulabschluss (bundesweit Platz 15: 34 % Mädchen vs. 66 % Jungen),
- männliche Schulabgänger wesentlich häufiger im Berufsvorbereitungsjahr (bundesweit Platz 13: 34 % Mädchen vs. 66 % Jungen),
- deutlich mehr Schülerinnen besuchen das Gymnasium und erwerben das Abitur (Gymnasium: 55 % Mädchen vs. 45 % Jungen; Abitur: 59 % Mädchen vs. 41 % Jungen),
- Benachteiligung der Jungen bei Empfehlungen der Lehrer bzgl. Besuch eines Gymnasiums nach Klasse 4 (um eine Gymnasialempfehlung zu erhalten, müssen Jungen mehr leisten),
- Thüringen ist Schlusslicht bei der Anzahl männlicher Erzieher in den Kindertagesstätten (weniger als 1 % der Pädagogen in den Kitas Thüringens sind Männer),
-viel höhere Ungleichverteilung zwischen männlichen und weiblichen Pädagogen als in anderen Bundesländern (Männeranteil in den Grundschulen 6 % und Gymnasien 30 % – aber auch in Förderschulen und in Regelschulen überwiegen die Frauen; an den Hochschulen dominieren mit ca. 90 % hingegen die Männer als Hochschullehrer bzw. Dozent),
- traditionelle Rollen- und Fähigkeitszuschreibungen für Jungen und Mädchen wirken in Thüringen besonders stark; große Unterschiede bei Lesekompetenz (Vorteil der Mädchen) und mathematischer Kompetenz (Vorteil der Jungen), der Unterschied beim Lesen (Mädchen lesen besser) steigt mit wachsendem Schulalter in Thüringen drastisch. …Die vollständige Pressemitteilung sende ich gerne auf Anfrage per Mail zu.

MEININGEN: Kooperationsvertrag für Gymnasium

Quelle: TA vom 25.03.2009

Der Gymnasiumsförderverein und die evangelische Schulstiftung haben einen Kooperationsvetrag für ein Gymnasium in privater Trägerschaft in Meiningen unterzeichnet. Die kirchliche Schulstiftung will als Träger der künftigen Ganztagsschule arbeiten. Das Konzept der Privatschule, die für alle Kinder der Klassenstufen fünf bis acht offen ist, basiert auf einem christlichen Menschenbild. Als Schulgebäude komme das ehemalige und jetzt leer stehende Landgericht in Meiningen in Frage. Zum Schuljahr 2010 soll der Schulbetrieb aufgenommen werden.

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