Pressespiegel vom 30. Oktober 2008
Axel Hoppe | 30. Oktober 2008 | 07:11 Uhr
Verdienstorden für Thüringer
Quelle: Ostthüringer Zeitung
Verdiente Thüringer werden heute in der Staatskanzlei geehrt
Erfurt (OTZ). Heute wird Kultusminister Bernward Müller (CDU) Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an verdiente Thüringer übergeben.
Das Verdienstkreuz 1. Klasse erhält Prof. Dr. Ernst-Detlef Schulze. Der Jenaer gilt als Wissenschaftler von internationalem Rang, der sich seit vielen Jahren durch herausragende Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Ökologie auszeichnet und darüber hinaus als Berater geschätzt ist.
Das Verdienstkreuz am Bande erhalten Helmut Christoph Berger (Kraftsdorf) und Anni Sylvia Kränke (Dorndorf-Steudnitz). Berger ist als Chorleiter, in der Gremienarbeit und als Berater aktiv. Schwerpunkt seines Engagements ist die Kinder- und Jugendarbeit. Kränke setzt sich seit vielen Jahren für die Stärkung des lebenslangen Lernens und die dafür nötige Ausrichtung der Volkshochschulen ein.
Die Verdienstmedaille erhalten Wolfram Eschenbach (Erfurt), Hans-Joachim Ernst Lüttge (Gebesee) und Dr. Jörg Alfred Vogel (Jena). Eschenbach ist langjähriger Lehrer, Freund und ehrenamtlicher Helfer in der Betreuung und Förderung von körperbehinderten Kindern und Jugendlichen. Lüttge hat bei der sportlichen Nachwuchsförderung im Schul- und Vereinssport Maßstäbe gesetzt. Vogel hat bei der Neugestaltung des Schulwesens in Gremien wie Elternvertretungen, Landesschulbeirat und Arbeitskreisen mitgewirkt.
Weitere Informationen unter: http://www.thueringen.de/de/tkm/aktuell/presse/36137/uindex.html. (Redaktion Schulpresse)
OTZ, 28.10.2008
ERFURT: Übung – Explosion in Schule
Quelle: Thüringer Allgemeine, Lokalredaktion Erfurt
Am 1.November übt der Feuerwehrverband Erfurt-Süd von 17.30 Uhr bis 19.30 Uhr die Zusammenarbeit im Ernstfall: Eine Explosion in einer Schule wird simuliert. Das Szenario geht von einer 24-köpfigen Schulklasse plus Lehrer im Gebäude aus. Als Einsatzstelle dient eine leerstehende Schule Am Wasserturm 4. Hier wurden einst Reichsbahn-Lehrlinge ausgebildet. Seit Jahren steht das abgelegene Bauwerk leer. Und eignet sich daher ideal für den Übungszweck. Für die Feuerwehrleute stellt sich die Situation so dar: Teile der Gebäudekonstruktion werden bei der fiktiven Explosion des Gasflaschenlagers in der Schule zerstört. Der Keller steht in Flammen. Da sich zum Zeitpunkt des Zwischenfalls noch Personen im Haus befinden, ist mit Verletzten und eventuell Verschütteten zu rechnen. Durch die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehreinheiten Dittelstedt, Ilversgehofen und Melchendorf gemeinsam mit der Löschgruppe Rohda werden die Aufgaben der Menschenrettung, Löschwasserförderung und der Brandbekämpfung geübt. Gleichzeitig wird eine Technische Gruppe des Technischen Hilfswerks die Sicherung des Gebäudes mit ihren technischen Mitteln üben.
29.10.2008
Retten mit Hindernissen
Quelle: Thüringer Allgemeine, Lokalredaktion Nordhausen
NORDHAUSEN. Unverhofft schulfrei hatten gestern am späten Vormittag die Mädchen und Jungen der Kollwitz-Schule in Nordhausen. Wenn auch nur für eine Unterrichtsschule. Die Berufsfeuerwehr übte den Ernstfall.
Durch eine etwas zaghafte Sirene verschaffte sich eine dünne Stimme mühsam Gehör: “Feueralarm. Bitte bewahren Sie Ruhe. Verlassen Sie das Gebäude auf den ausgewiesenen Fluchtwegen. Befolgen Sie die Anweisungen des Personals.” Ruhe haben die Kinder nicht bewahrt. Warum auch. Lauthals freuten sie sich, einer Unterrichtsstunde glücklich entronnen zu sein.
Bis auf zwei, die irgendwie im Physik-Kabinett gezündelt hatten. Vielleicht auch Lehrer, denen wieder einmal ein Experiment misslungen war. Jedenfalls steckten die beiden Verletzten in der oberen Etage des Anbaus an der Kollwitz-Schule fest. Neben dem Löschen mussten die Männer der Berufsfeuerwehr nun auch noch die Verletzten aus dem Rauch bergen. Theaternebel allererster Güte. In vier Minuten waren die 450 Kinder draußen. “Das ist gut”, urteilte Andreas Czwack. Flugs hatten sich die aufgeregten Schüler unter den Argusaugen des Lehrkörpers auf einen ein paar Meter vom Unglücksgeschehen entfernten separaten Platz neben der Turnhalle versammelt, von dem aus sie das Schauspiel zu ihren Leidwesen nicht verfolgen konnten. Aber immerhin eine verlängerte Pause: “Hurra, die Schule brennt.”
Fünf Minuten, nachdem um 11 Uhr ein Lehrer die 112 angerufen hatte, war die Berufsfeuerwehr zur Stelle. Zwei der Männer stürmten auf der Suche nach dem Brandherd die falsche der vielen Eingangstüren. Bis der Hausmeister ihnen den rechten Weg wies.
Der aus einem der Fenster dringende Qualm ließ keinen Zweifel über den Ort des Brandherdes. Während die flehendliche Stimme immer noch zum Verlassen des Gebäudes aufforderte. Dem die beiden mannsgroßen Puppen als Darsteller der Opfer aus nachvollziehbaren Gründen nicht folgen konnten. Denn es stand anders im Drehbuch. Der Wille zum Helfen war vorhanden, der Weg dorthin versperrt. Mit den Autos der Lehrer, die man anscheinend tatsächlich im Dunkeln gelassen hatte über die bevorstehende Übung. Sonst wäre der zugeparkte Schulhof wohl besser aufgeräumt gewesen. Herbe Kritik dafür von der Feuerwehr.
So verging kostbare Zeit, ehe die Männer endlich die Drehleiter in Position manövriert hatten, ohne die fahrbaren Untersätze des Lehrkörpers zu zerkratzen. Um 11.12 Uhr waren sie dann erst vor dem qualmenden Fenster. Zudem mussten die Feuerwehrleute behutsam zu Werke gehen. Denn die gerade erst renovierte Schule wollte man ja nicht gleich wieder ramponieren. Wie es die unvermeidlichen Sprayer schon wieder getan haben. Weshalb man wohl auch auf Löschwasser verzichtete. Während die nervende Lautsprecherstimme noch immer im leeren Schulhaus flehend mahnte, die ausgewiesenen Fluchtwege zu benutzen.
Doch da schleppten zwei Männer eines der Opfer bereits über den ausgewiesenen Fluchtweg, die Treppe, auf den Hof. Wo man es per Herzdruckmassage wiederzubeleben versuchte und ihm zugleich die von einem Vorgesetzten anempfohlene Mund-zu-Mund-Beatmung verweigert wurde. Ob der oder die Gerettete überlebt hat, ist nicht überliefert. Wenn nicht, dann waren die Autos schuld. Oder besser ihre Besitzer.
Von Jörg RIESMEYER
29.10.2008
Zivilcourage für Kinder
Quelle: Thüringer Allgemeine, Lokalredaktion Sondershausen
SONDERSHAUSEN. Harte Fakten und erschreckende Bilder kamen gestern Abend im Sondershäuser Carl-Schroeder-Saal auf den Tisch. Über 140 Teilnehmer reisten zur Kinderschutztagung und diskutierten, wo noch besser auf das Kindeswohl geachtet und vor allem gehandelt werden muss. Das sei eine der wichtigsten gesamtgesellschaftlichen Aufgaben, hieß es.
Der Kyffhäuserkreis ist nur einer von zwei Landkreisen bundesweit, der sich in das Projekt “Guter Start ins Kinderleben” einbringt. Das lobte gestern Abend auch Thüringens Familienministerin Christine Lieberknecht (CDU). “Wir dürfen nicht nur nach der materiellen Situation schauen, sondern darauf, was Kinder brauchen und nicht haben. Da beginnt nämlich die Kindeswohlgefährdung”, betonte sie eindringlich. Und da brauche es aufmerksame sensibilisierte Bürger, die nicht wegschauten, sondern handelten.
Vize-Landrat und Sozialdezernent im Kyffhäuserkreis, Georg Schäfer (SPD), umriss kurz, was sich hier in der Region tue, sprach über den seit einem Jahr existenten Kinderschutzdienst, über die Elternschule, Gesprächsrunden, Hausbesuche und die Erreichbarkeit sozialer Ansprechpartner rund um die Uhr. “Hauptsache, die Hilfe wird auch angenommen. Wir sind auf einem guten Weg”, so Schäfer.
Dr. Juliane Höfiger von der Universitätsklinik Jena gab dann Zahlen bekannt: Deutschlandweit werden fünf bis zehn Prozent der Kinder unter sechs Jahren von ihren Eltern vernachlässigt. 4000 Fälle von Kindesmisshandlung werden pro Jahr aktenkundig. Die Dunkelziffer kann man nur erahnen. Bei zehn bis zwölf Fällen führt die Misshandlung zum Tod. “75 Prozent der Kinder sind noch keine sieben Jahre alt”, nannte sie erschreckende Zahlen. Zwischen 15 000 und 17 000 Kinder und Jugendliche werden bundesweit pro Jahr sexuell missbraucht. Höfiger gab anhand von Bildern Beispiele aus der Rechtsmedizin, woran erkennbar sein kann, was wirklich ein Sturz und was Gewalt ist. Sie sensibilisierte die Teilnehmer zudem für Symptome, die auf eine Misshandlung schließen lassen können. Dann brachte sie das Projekt “TAKS” zur Sprache. Seit zwei Jahren gibt es in Jena die Thüringer Ambulanz für Kinderschutz, die mit einem großen Netzwerk arbeitet, unter anderem mit Ärzten, Psychologen, Jugendämtern, der Staatsanwaltschaft und eben auch der Polizei.
Meldepflicht, Schweigepflicht und Datenschutz war ein weiteres Thema des Abends. Gespannt lauschten die rund 30 Ärzte im Auditorium, als es um die rechtliche Seite ging. Fakt aber bleibt, dass der Staat eine Wächterfunktion für Kinder hat, die im Artikel sechs des Grundgesetzes verankert ist.
Sabine Bräunicke, Jugendamtsleiterin des Landkreises, zeigte sich sehr zufrieden mit der Tagung, da sie nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet hätte. Vor allem viele Menschen aus sozialen Diensten und dem Gesundheitswesen nahmen teil. Auch im Kyffhäuserkreis gebe es Fälle von Kindesmisshandlung. Von den bisher in diesem Jahr 53 gemeldeten Fällen stellte sich die Hälfte als wirkliche Kindeswohlgefährdung heraus. “Wir brauchen Menschen, die weiterhin hinschauen und Zivilcourage zeigen”, bittet sie um Unterstützung. Silvana TISMER
29.10.2008
Schreib-Projekt: Fantasie mit Flügeln
Quelle: Thüringer Allgemeine, Lokalredaktion Sömmerda
SÖMMERDA. Wie eine Illustration die Fantasie von Schülern beflügeln kann, zeigte das zweitägige Projekt mit dem Erfurter Autor und Illustrator Frank Ruprecht an der Salzmannschule. Gestern stellten Schüler im Rahmen der Aktion “Deutschland liest” ihre Geschichten und Bilder in der Sömmerdaer Bibliothek vor.Was ist, wenn man einem Drachen begegnet, der einfach nur da sitzt und lustlos ein bisschen Feuer spukt? Das kann mir nicht passieren, denn Drachen gibt es nicht, würde mancher sogleich antworten. Die Schüler der 6. Klasse der Salzmann-Regelschule Sömmerda sind mit Unterstützung von Frank Ruprecht anders an die Sache herangegangen. “Sucht euch einen Wunschberuf aus, schlüpft in diese Rolle und stellt euch eine Begegnung mit dem Drachen vor”, hatte der Autor die Schüler aufgefordert. Um die Fantasie der Mädchen und Jungen noch ein Stück anzuregen, hatte er ein Bild aus dem von ihm illustrierten Buch “Der Tag der Wunder” von Lutz Rathenow ausgewählt, “das den meisten Spielraum für Interpretationen gelassen hat”. Auch wenn nicht alle Schüler auf die Sache mit dem Wunschberuf eingegangen sind – “Die Hauptsache ist, dass sie sich kreativ beschäftigt haben”, sieht Frank Ruprecht ein wichtiges Ziel erreicht.Und kreativ waren die Sechstklässler auf jeden Fall. Ob beim Zeichnen oder Schreiben. Da berichtete zum Beispiel Jonas vom Zirkusdirektor, der dem Drachen half, seinen Liebeskummer zu überwinden. Der Drache wurde später die Hauptattraktion im Zirkus. Lisa hatte geschrieben, wie sich das “Ungeheuer” in ein Supermodell verwandelt. Elisa baute in ihre Drachengeschichte sogar den Fußballer Luca Toni ein. Mit ein bisschen Fantasie geht auch das. Bei Nico hatte es der Drache besonders gut. Als reicher Mann konnte er ihm sogar ein Halsband aus Juwelen kaufen und an Essen mangelte es dem Drachen auf keinen Fall. Nadine erzählte von regelmäßigen gemütlichen Nach- mittagsstunden, bei denen sie mit einer Drachendame Kuchen und Kekse aß. Damit revanchierte sich die Drachendame für die Hilfe, als es um ihren verletzten Flügel ging.In den zwei Projekttagen wurde nicht nur geschrieben. Frank Ruprecht musste viele Fragen der Schüler beantworten. Und die Kinder hätten gern noch mehr von seine Illustrationen gesehen, stellte sich nach der Lesung im Dreyse-Haus im Gespräch heraus. Das Schreiben jedenfalls hat den meisten Schülern Spaß gemacht. “Wenn ich einmal den Anfang habe, geht das dann ganz schnell”, sagt etwa Jonas von sich. Deutschlehrerin Karin Große und ihre Kolleginnen von der Salzmann-Regelschule sind froh über die Möglichkeit, die sich mit dem Projekt in der Schule ergab. Gefördert und finanziell unterstützt wurde es vom Bödecker-Verein Thüringen, dem Landkreis und der Stadt- und Kreisbibliothek. Deren Leiterin Roswitha Leischner hatte gestern die Beteiligten des Projektes zur Abschlussveranstaltung in die Bibliothek eingeladen. “Ich finde so eine Schreibwerkstatt, wie sie in der Schule veranstaltet wurde, schön. Für uns als Bibliothek läuft die Zusammenarbeit mit der Schule gut. Und vielleicht sollten wir ja in der Bibliothek neben den Lesungen auch einmal eine Werkstatt durchführen.” Von Anett HÄDRICH
29.10.2008
Schüler müssen frieren – Heizungen sind geklaut
Quelle: Thüringer Allgemeine
Auf der Nordseeinsel Sylt sind Diebe in eine Grundschule eingebrochen. Aber statt zum Beispiel Geld oder Computer zu klauen, nahmen sie die Heizungen mit.
Und das ausgerechnet im kalten Herbst. Jetzt müssen viele der Schüler erst einmal frieren. Die Räuber schraubten in einigen Klassenzimmern und in der Turnhalle insgesamt neun Heizkörper ab. Wahrscheinlich haben sie ihr Diebesgut mit einem Laster weggefahren. Von den Tätern fehlt jede Spur.
29.10.2008 dpa
Kind ist nicht geimpft: Kein Grund für Schulverbot
Quelle: Thüringer Allgemeine
Eintragung ins Impfbuch: Auch wenn ein Schüler nicht gegen Masern geimpft ist, darf die Schule ihn nicht vom Unterricht ausschließen. (Bild: dpa)
Hannover (dpa/tmn) – Lehnen Eltern eine Masernimpfung ihres Kindes ab, darf dem Schüler der Schulbesuch nicht verweigert werden. Das hat das Verwaltungsgericht Hannover (Az.: 7 A 3697/07) entschieden.
Die fehlende Impfung sei kein rechtmäßiger Grund, den Schüler vom Unterricht auszuschließen. In dem Fall hatte eine Mutter gegen die Gesundheitsbehörde der Region Hannover geklagt, die den Schulbesuch untersagt hatte, erläutert die »Ärzte-Zeitung« unter Berufung auf das Urteil.
Wegen 13 Masern-Fällen unter anderem an der Schule, die das Kind besuchte, hatte die Behörde demnach allen ungeimpften Schülern die Impfung angeboten. Wer diese nicht wollte, durfte nicht in die Schule. Die Behörde berief sich dabei auf das Infektionsschutzgesetz. Die Mutter des Schülers begründete die Impfweigerung mit den Allergien ihres Kindes. Durch die Impfung hätten Nebenwirkungen auftreten können. Das Gericht befand, die Weigerung reiche nicht aus, um den Schulbesuch zu verbieten. Außerdem habe kein hinreichender Verdacht bestanden, dass der Schüler tatsächlich Masern haben könnte.
29.10.2008 dpa
Lizenz zum Daddeln
Quelle: Thüringer Allgemeine
Eine Thüringer Forschergruppe will eine neue Generation von Kindermedien entwickeln. Lernanwendungen, Fernsehformate und Computerspiele sind dabei im Fokus der Wissenschaftler der Fraunhofer-Arbeitsgruppe in Erfurt.
ERFURT. Klaus Peter Jantke sitzt in einem Hubschrauber und macht Fotos. Die Welt unter ihm ist in Bewegung, Menschen rennen aufgeregt durcheinander. Jantke zoomt heran, eine Tankstelle explodiert, überall Zombies. Dann drückt Jantke den Pause-Knopf.
“Dead Rising” heißt das Spiel, in das sich der 57-jährige Professor “seit kurzem reinspielt”. Klaus Peter Jantke sitzt nicht etwa vor der heimischen Spielekonsole, sondern im Erlebnis-Labor der Forschergruppe Kindermedien in der Erfurter Innenstadt und arbeitet. Jantke ist Leiter der Gruppe, er hat quasi die Lizenz zum Daddeln. “Wenn ich solche Spiele nicht kenne, kann ich damit auch nicht forschen”, erklärt er.
Das neu eröffnete Erlebnis-Labor ist ein Paradies für Spiele-Fans: In entspannter Wohnzimmer-Atmosphäre mit Couch, Flachbildschirm und Soundanlage gibt es eine Xbox, eine Playstation, eine Wii, jede Menge tragbarer Konsolen und: Spiele, Spiele, Spiele. Doch auch Forscherherzen schlagen hier schneller. An den Wänden sind Kameras installiert, um Spieler und Spiele zu analysieren.
Die zwei Außenwände von Jantkes Büro sind verglast, alles riecht neu. Anfang dieses Jahres erst wurde die Forschergruppe Kindermedien gegründet, als Abteilung des Ilmenauer Fraunhofer-Institutes für Digitale Medientechnologie. Die Abteilung mit eigenem Etagenaufzug in dem modernen Gebäudekomplex “F1″ der Landeshauptstadt ist somit auch eine Außenstelle.
Die Fraunhofer-Abteilung will Medienangebote für Kinder erforschen und neue entwickeln, zum Beispiel interaktive Formate für Fernsehen, Internet und DVD. Jantke träumt von einer neuen Generation Kindermedien. Einer, die “beim Lernen hilft”. Etwa 15 bis 20 Forschungsthemen würde seine Abteilung aktuell bearbeiten, erklärt er. Darunter sind Projekte mit dem Offenen Kanal Gera oder mit einem Ilmenauer Gymnasium. An der Schule gründeten die Forscher eine Arbeitsgemeinschaft für Rollenspiele. Bei der Beobachtung und Analyse der Spieler und ihrer Rollen üben sich Studenten im wissenschaftlichen Arbeiten. Die Ergebnisse wiederum sollen für neue Entwicklungen genutzt werden.
Diese Verzahnung soll keine Einzelerscheinung bleiben. Die Fraunhofer-Abteilung Kindermedien hat ein enges Kooperationsnetz geschnürt mit den Thüringer Universitäten in Erfurt, Weimar und Ilmenau sowie der Fachhochschule Erfurt. Die Forschungsarbeit müsse unbedingt interdisziplinär angelegt sein, ist Jantke überzeugt. Die Hochschulen sollen mit ihrer Fächerbreite dabei helfen. Fraunhofer will im Gegenzug als Plattform zum fächerübergreifenden Austausch dienen.
Besonderes Augenmerk der Wissenschaftler gilt den Computer-Spielen. Die wirtschaftliche Bedeutung rangiert inzwischen über der Film- und Musikindustrie, die Erforschung aber steckt noch in den Kinderschuhen. Ein Problem ist bisher die komplexe und ganzheitliche Anforderung an eine profunde Spiele-Forschung: Es geht um Psychologie, Soziologie, Kommunikations- und Medienwissenschaft, Betriebswirtschaft, Informatik.
Jantke hat diese Prämisse an sein Forschungsfeld an der eigenen Person erfahren. Der studierte Mathematiker war jahrelang in der Informatik zu Hause, künstliche Intelligenz war sein Steckenpferd. Dann, vor drei Jahren, wurde plötzlich sein damaliger Lehrstuhl neu ausgerichtet. Das zukunftsträchtige Thema: digitale Spiele. Seine Entscheidung für dieses vollkommen neue Kapitel seiner Karriere sei Minutensache gewesen, so Jantke.
Der Informatiker las sich in neue Gebiete ein, hielt Vorlesungen und Seminare zur Computerspielforschung in Darmstadt, Leipzig und Ilmenau, veröffentlichte seine Arbeiten. Der Forscher Jantke glaubt an “eine richtungsweisende Entwicklung” für Deutschland, gar für Europa. Ob das klappt, hängt zum einen von den Forschern ab, zum anderen von der finanziellen Unterstützung. “Auch wir haben mit den üblichen Problemen der Forschungsförderung zu kämpfen.”
Vier Mitarbeiter hat die Arbeitsgruppe, studentische Hilfskräfte und Praktikanten mitgezählt, wächst die Zahl zweistellig. In fünf Jahren sollen es zwanzig Festangestellte sein plus Studenten und Doktoranden. Und wenn es ganz gut läuft, könnte in Erfurt vielleicht ein eigenes Fraunhofer-Institut werden. Aber bis dahin sei es ein langer Weg, sagt Jantke.
Von Christian WERNER
29.10.2008
Montessori nach Pforten
Quelle: Thüringer Landeszeitung, Lokalredaktion Gera
Von Uwe Müller Gera. Montessorischule und Neulandschule werden ab Sommer 2009 für zwei Jahre unter einem Dach als selbstständige Schulen geführt. Darauf haben sich die Stadt Gera und das Kultusministerium geeinigt.
Die Waldschule Liebschwitz, die nach dem reformpädagogischen Konzept von Maria Montessori arbeitete, zieht demnach mit ins Schulhaus der Neulandschule in der Plauenschen Straße. Am 10. November findet die Anhörung beider Schulkonferenzen statt.
Eine neuerliche Beschlussfassung ist erforderlich, weil die Schließungsverfügung der Stadt Gera für die Liebschwitzer Waldschule vom Verwaltungsgericht Gera in drei Eilverfahren als formal rechtswidrig kassiert wurde. Drei Grundschüler hatten gegen die Stadtverwaltung Gera obsiegt. Die Schließungsverfügung sei nicht durch die Beschlusslage des Stadtrates zum Schulnetz- und Schulsanierungsprogramm gedeckt, begründete das Gericht seine Entscheidung. Der am 5. Juni 2007 gefasste Stadtratsbeschluss sah vor, dass Schulschließungen erst vollzogen werden dürften, wenn die Umsetzung des Konzeptes insgesamt im Wesentlichen gesichert sei. Das Schulbauprogramm scheiterte allerdings an der Finanzierbarkeit.
Mit der Aufhebung der Waldschule hatte der Stadtrat, der einem Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung gefolgt war, sowohl die Neuland- als auch die Waldschule in eine existenzielle Notlage manövriert. Da in Gera bereits für die Grundschulen die Schulbezirke aufgehoben sind und es daher den Eltern freigestellt ist, wo sie ihre Kinder zur Schule anmelden, erschien die Perspektive sowohl für die Neulandschule als auch für die Montessorischule offen. Die Stadtverwaltung hatte zunächst eine Entscheidung über die Zukunft der Montessorischule für Januar 2009 ins Auge gefasst. Zu spät, denn bis Dezember müssen sich die Eltern der künftigen Erstklässler bereits entschieden haben. Deshalb hatte die Wählervereinigung “Arbeit für Gera” im Oktober einen Dringlichkeitsantrag im Stadtrat eingebracht. Dieser verfehlte zwar die Mehrheit, aber nicht seine Wirkung: Die Stadtverwaltung legte nun Ende Oktober, zwei Monate früher als ursprünglich vorgesehen, einen Lösungsvorschlag vor, der noch rechtzeitig vor dem Anmeldungstermin fürs neue Schuljahr Klarheit schaffen soll.
Ziel soll sein, dass ab dem Schuljahr 2011/2012 nach Aufhebung beider Schulen eine Schule entsteht, die nach einem einheitlichen montessori-orientierten Umweltkonzept arbeitet. Kommentar Zitat: “Unser klares Ziel ist die montessori-orientierte Umweltschule.”
Bernd Kriebitzsch, Fachdienstleiter Bildung und Sport, Gera
29.10.2008
Weniger Zuschuss: Elterngeld bedeutet für viele Familien eine Halbierung der Förderung
Quelle: Thüringer Landeszeitung
Erfurt. (tlz) Der Katholische Familienbund fordert Betreuungsgeld in Höhe von 300 EUR bis zum dritten Lebensjahr im Anschluss an das Elterngeld. “Fast zwei Jahre nach Einführung des Elterngeldes durch die Bundesregierung kann von einer Erfolgsgeschichte keine Rede sein. Die Umstellung vom ehemaligen Bundeserziehungsgeld zum Elterngeld bedeutet für fast die Hälfte aller Familien eine Halbierung der Förderung. In Thüringen erhalten 42,7 Prozent aller Familien den Mindestbetrag und so genau die Hälfte dessen, was sie nach der alten Regelung bekommen hätten,” kommentiert Kurt Herzberg, Landesgeschäftsführer des Familienbundes der Katholiken im Bistum Erfurt und im Freistaat Thüringen, die von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen vorgestellten Ergebnisse des Berichtes zum Elterngeld.
Herzberg sieht “starken Korrekturbedarf” und analysiert, dass vor allem die Familien mit niedrigen Einkommen und Studentenhaushalte die Verlierer der Umstellung vom Erziehungsgeld auf das Elterngeld sind: “Durch die Reduzierung der Bezugsdauer von 24 auf 12 beziehungsweise 14 Monate haben viele dieser Familien im zweiten Lebensjahr des Kindes 3.600 Euro weniger in der Tasche. Angesichts der im Vergleich niedrigen Nettolöhne in Thüringen kommt die Familienförderung des Bundes faktisch hier nicht an. Die gigantische PR des Bundesfamilienministeriums um das Elterngeld hat in der Öffentlichkeit eine augenscheinliche Akzeptanz erzeugt, die die Negativbilanz der Rechtsänderung nicht wahrzunehmen scheint.”
Der Familienbund fordert von der Bundesregierung erneut eine Anschlussleistung in Form eines Betreuungsgeldes, das sich am Maßstab des früheren Erziehungsgeldes orientiert. Dieses Betreuungsgeld soll an alle Eltern bis zum dritten Geburtstag des Kindes gezahlt werden und monatlich 300 Euro betragen. “Ein Betreuungsgeld für alle Eltern ist ein wichtiger Schritt in Richtung Wahlfreiheit” ergänzt Herzberg.
29.10.2008 tlz
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